Chancen in den Niederlanden erkennen und nutzen

Für deutsche Unternehmen gibt es eine Vielzahl guter Gründe, auf dem niederländischen Nachbarmarkt grenzüberschreitend tätig zu werden. Dabei ist die Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen, längst nicht die einzige Chance, die in den Niederlanden auf deutsche Betriebe wartet. Bereits heute haben viele Unternehmer, gerade in der Grenzregion, täglich mit Geschäftspartnern aus den Niederlanden zu tun. Die diversen Einsparmöglichkeiten durch verschiedene steuerliche Gestaltungen sind ihnen dabei jedoch häufig unbekannt. Für Wirtschaft aktuell bringen Evelien Moser-Nijman und Jan Hartmann von der niederländischen Kanzlei Kroese Wevers mit Sitz in Oldenzaal ein wenig Licht ins Dunkel, indem sie einige dieser Vorteile genauer unter die Lupe nehmen.

Innovative Unternehmen werden in den Niederlanden nicht nur durch monetäre Förderungen unterstützt, sondern erhalten seit Anfang 2011 auch attraktive steuerliche Vorteile. Für Unternehmen, die in den Niederlanden eine innovative Idee bis hin zu einem Produkt entwickeln wollen, hat der niederländische Gesetzgeber einen attraktiven Anreiz in Form von Steuerermäßigungen auf Löhne (sogenannte WBSO) geschaffen. Neben dieser Förderungsmöglichkeit gibt es jenseits der Grenze eine besondere steuerliche Regelung für das Einkommen, das aus Patenten oder aus vorgenannten WBSO-Aktivitäten resultiert.

Diese Regelung beinhaltet eine effektive Steuerbelastung von fünf Prozent Körperschaftssteuer, geregelt durch die sogenannte Innovationsbox. Durch diese Innovationsbox kann also ein erheblicher finanzieller Vorteil erzielt werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Felder, in denen diese Förderung zum Einsatz kommen kann, breit gestreut sind. Die Beispiele aus der Praxis reichen von Software-Entwicklungen über Verbesserungen von bestehenden Produkten bis hin zu komplett neuen Erfindungen.

Aber damit nicht genug: Die Niederlande gewähren neuerdings noch weitere Förderungen für innovative Unternehmen. Anfang des Jahres hat das Nachbarland den sogenannten Research and Development Abzug (RDA) eingeführt. Für Investitionen, die der eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Aktivität zugerechnet werden können, gibt es nun einen steuerlichen Abzugsposten. Dieser kann sowohl bei der Körperschaftssteuer als auch bei der Einkommenssteuer des Unternehmers steuerlich geltend gemacht werden.

Außerdem gibt es in den Niederlanden die Möglichkeit, 30 Prozent des Gehalts steuerfrei an Arbeitnehmer auszuzahlen. Diese sogenannte 30-Prozent-Regelung kann insbesondere bei Fachkräften angewandt werden und gilt nicht ausschließlich für innovative Unternehmen. Diese Regelung bietet dem Arbeitgeber Möglichkeiten bei Gehaltsverhandlungen und -gestaltungen. Allerdings wird die 30-Prozent-Regelung ab 2012 wesentliche Änderungen erfahren. Der Umfang dieser Änderungen ist zwar noch nicht abschließend bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Anwendung dieser Regelung erschwert werden wird.

Fazit:
Allein durch die genannten Gestaltungsinstrumente wird deutlich, warum es sinnvoll sein kann, sich in den Niederlanden zu betätigen. Die Vorteile durch den zusätzlichen Markt stehen außer Frage. Es gibt diverse Möglichkeiten, die Steuerbelastung zu minimieren und von dem weiter zusammenwachsenden deutsch-niederländischen Markt zu profitieren.  

Von Evelien Moser-Nijman und Jan Hartmann Freitag, 3. Februar 2012