
Aktienmarkt - Rückblick:
Während des Monats November setzten die Weltbörsen ihre im Oktober begonnene Konsolidierung fort. Die Schwankungsfreudigkeit, die die Risikoeinschätzung der Marktteilnehmer beschreibt, bewegte sich jedoch weiterhin auf fortgesetzt hohem Niveau. Die sich wiederum ausweitenden Risikoaufschläge an den Anleihemärkten für zahlreiche Staatsanleihen sowie für Unternehmensanleihen nachrangiger Bonität signalisieren ebenfalls, dass die Fehlentwicklungen in Folge der europäischen Staatsschuldenkrise noch lange nicht überwunden sind.
Aktienmarkt - Ausblick:
Das Geschehen an den globalen Finanzmärkten befindet sich fest im Griff der europäischen Staatsschuldenkrise. Während der kommenden Wochen und Monate dürften hier Chancen und Risiken außergewöhnlich eng beieinander liegen. Vor diesem Hintergrund rücken die Betrachtungen zur Entwicklung des künftigen Wirtschaftswachstums wie der künftigen Inflation zusehends in den Hintergrund.
Nach unserer Ansicht treibt die Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise in diesen Wochen auf einen möglicherweise entscheidenden Punkt zu. In diesem Zusammenhang muss nüchtern festgestellt werden, dass alle zwischenstaatlichen Hilfsmaßnahmen, Rettungspakete und -mechanismen für insolvenzgefährdete Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) bislang nicht geeignet waren, die Zweifel der Finanzmarktteilnehmer bezüglich der Zukunft des Euro in unveränderter Form zu zerstreuen. Es dürfte sich vermutlich bald erweisen, ob die betriebene Politik zur Überwindung der Staatsschuldenkrise das notwendige Vertrauen der Finanzmärkte findet oder eine (vermutlich weitgehend unkontrollierbare) Eigendynamik den Fortgang der Entwicklung bestimmt.
Wir gewinnen den Eindruck, dass die bestimmenden Akteure Deutschland und Frankreich (auch unter dem Druck der zunehmenden Gefährdung ihrer eigenen jeweiligen Top-Bonität) zunehmend zu einem „großen Wurf“ bereit sind: Eine bislang unerreichte und nicht für realisierbar gehaltene Beschleunigung der wirtschaftlichen und politischen Integration Europas könnte den Finanzmärkten zum einen bedeuten, dass die EWWU ihre Zukunftsfähigkeit zu verteidigen bereit und imstande ist. Zum anderen könnte damit signalisiert werden, dass breit angelegte Spekulationen gegen die Bonität einzelner Mitgliedsstaaten oder den Euro selbst nicht länger erfolgversprechend sind. Der Vollzug einer solchen Integrationsbeschleunigung könnte in der Schaffung bzw. Ausgestaltung einer europäischen Fiskalunion liegen. Die auf diesem Weg zu überwindenden Hindernisse sind allerdings formidabel, erst recht innert kurzer Frist. Gleichwohl veranschlagen wir die Erfolgaussichten eines „großen Wurfs der Europäer“ höher als die Aussicht auf einen unkontrollierten Zerfall der EWWU.
Fazit: Fassen die Finanzmärkte Vertrauen in die europäische Zukunft, so ist eine heftige Anschluss-Rally rund um den Globus wahrscheinlich. Ein „Abgleiten“ der EWWU in die unkontrollierte Insolvenz einzelner Staaten hätte vermutlich deutliche Kursrückgänge zur Folge. Vor dieser Ungewissheit halten wir die Spannweiten unserer mittelfristigen Indexerwartungen aufrecht: S&P500 Index: circa 1.000/ 1.300 Punkte, EURO STOXX 50 Index: circa 1.800/ 2.500 Punkte, DAX Index: circa 5.000/ 6.500 Punkte.
"Mr. Dax" Ekkehard Link, Jahrgang 1962, absolvierte zunächst eine Banklehre bei der Bankgesellschaft Berlin sowie ein BWL-Studium an der Technischen Universität. Danach folgte eine dreijährige Ausbildung zum Finanzanalysten (CFA-Programm). Sieben Jahre lang war er Leiter der Abteilung Kapitalmärkte Research der National-Bank aus Essen, heute ist er Leiter Portfolio Management.
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