VKF Renzel | „Rasselbande im Unternehmen“

Isselburg - Kann es sich ein Unternehmen heute noch erlauben, das Thema Mitarbeiterbindung zu vernachlässigen? Ansgar Hügging schüttelt energisch den Kopf. „Diesem Thema wird immer mehr Bedeutung beigemessen.“ Hügging ist einer der Geschäftsführer der VKF Renzel GmbH aus Isselburg. Das Unternehmen ist im Bereich der Verkaufsförderung aktiv und für Hügging geht es beim Thema Mitarbeiterbindung vor allem um individuelle Lösungen, weniger um 0815-Angebote. Die betriebseigene Kita nennt er dabei ein „Leuchtturmprojekt“.

Der Standort von VKF Renzel in Isselburg. Foto: VKF Renzel

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Das familiengeführte Unternehmen VKF Renzel ist nach eigener Aussage einer der „weltweit führenden Anbieter im Bereich der Verkaufsförderung“ und stellt von Werbeaufstellern über Werbeartikel bis zur Preisauszeichnung praktisch alle Produkte her, die am Point of Sale genutzt werden können.  Das ist der Blick nach außen. Nach innen gelte es vor allem zuzuhören: „Es ist wichtig herauszufinden, was die Bedürfnisse der jeweiligen Mitarbeiter sind“, sagt Hügging.

Keine leichte Aufgabe für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von circa 130 Millionen Euro, mit insgesamt 900 Mitarbeitern (davon rund 500 am Sitz in Isselburg) und rund 30 Gesellschaften innerhalb der Unternehmensgruppe. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter seien letztlich aber eine Generationenfrage. „Ein Auszubildender hat andere Anforderungen und Wünsche als jemand, der eine Familie hat, oder jemand, der kurz vor dem Ausscheiden steht.“ Genau wegen dieser Vielfalt an Lebenssituationen bedürfe es offener Ohren. VKF Renzel setzt hier an und hat die Personalabteilung dezen­tral organisiert und gleichzeitig mit mehr Verantwortlichkeiten ausgestattet. Für Mitarbeiter bedeutet das: Sie finden Ansprechpartner direkt vor Ort in den Abteilungen, statt lange Wege gehen zu müssen. „Sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung gibt es jetzt Ansprechpartner für alle Themen.“ 

Flexible Arbeitszeiten

Hügging nennt Beispiele für solche Themen: „Mitarbeiter müssen nicht für jede Kleinigkeit Urlaub einreichen. Wir setzen auf ‚atmende Arbeitszeiten‘, bei denen innerhalb definierter Grenzen Überstunden aufgebaut und dann auch flexibel abgebaut werden können.“ Diese Flexibilität sei ein wesentliches Element der Mitarbeiterbindung und für die gesamte Belegschaft insgesamt eines der zentralen Argumente für das Unternehmen. Das gelte auch für das große Thema Homeoffice. „Wir haben mobiles Arbeiten bereits vor Corona gehandhabt, allerdings nur in Ansätzen.“ Das sei heute großräumig im Unternehmen umgesetzt, in vielen Bereichen seien Arbeitnehmer mit Homeoffice-Vereinbarungen ausgestattet. „Das leben wir intensiv.“ 

Fast selbstverständlich setzt man bei VKF Renzel auf die bekannten Benefits: Jobrad, Sozialleistungen, betriebliches Gesundheitsmanagement oder gemeinsame Unternehmensfeiern. Die Bausteine, die Hügging erwähnt, stehen jedoch immer im Kontext der Gleichbehandlung – jeder Mitarbeiter kann in gewisser Weise selbst definieren, welche Benefits ihm am meisten dienlich sein könnten. „Es muss aber für jeden Mitarbeiter etwas dabei sein“, betont Hügging. Trotz der Größe des Unternehmens reagiere man auch mal sehr kleinteilig. Hügging verweist fast beiläufig darauf, dass man bereits Mitarbeitern bei finanziellen Problemen geholfen habe – kleine Schritte ohne große Aufmerksamkeit.

Leuchtturmprojekt Kita

Ein wahrnehmbares „Leuchtturmprojekt“ leistet sich VKF Renzel aber doch. Seit 2008 besteht die betriebseigene Kita, die von der Awo betrieben wird. Für die Einrichtung habe man seinerzeit einige Hürden überspringen müssen, doch der Kreis Borken habe VKF Renzel eng begleitet und unterstützt, wie Hügging betont. Mit rund 30 Plätzen bietet die Kita Platz genug, damit Mitarbeiter ihre Kinder nach Bedarf arbeitsplatznah betreuen lassen können. Die Kita ist dabei grundsätzlich offen, doch die Kinder von Angestellten würden bevorzugt aufgenommen. „Das ist tatsächlich relevant für viele unserer Mitarbeiter mit Kindern.“ Nicht nur für die: Hüggings eigene Tochter war auch in der Betriebskita. Und ein weiterer angenehmer Nebeneffekt sei, dass die Kita auch außerhalb des Unternehmens positiv wahrgenommen werde. „Außerdem ist es schön zu sehen, wie die Rasselbande an Tagen wie Karneval durch unser Unternehmen läuft“, sagt Hügging mit einem Lächeln.

Das alles trage dazu bei, dass sich im Haus eine „gute Kultur“ entwickelt habe. Die Stimmung im Unternehmen sei dabei der erste Hebel für den Erfolg, wie Hügging sagt. Hier griffen verschiedene Zahnräder ineinander: Teams würden so zusammengestellt, dass die produktive Zusammenarbeit gesichert sei, Führungskräfte würden geschult in Empathie und könnten sich dann wiederum gegenüber der Geschäftsführung auch für die Interessen der Mitarbeiter einsetzen. Nicht nur bei persönlichen Wünschen, sondern auch bei Fehlern. „Wir haben zwar eine Prozesskette, in der Fehler schnell entdeckt oder früh ausgeschlossen werden, aber ganz vermeiden kann man sie nicht, wir sind Menschen“, erklärt Hügging. Wichtig sei nur, wie mit Fehlern umgegangen würde. „Ein Fehler ist erst ein Makel, wenn er sich wiederholt und einschleift und wenn das nicht adressiert wird.“

Der konstruktive Umgang mit Fehlern ist daher im Unternehmensleitbild festgehalten. Darin geht es auch um offene Türen. „Meine Tür steht tatsächlich offen. Jeder weiß so, dass ich ansprechbar bin. Vorgesetzte sind hier immer erreichbar, das ist uns wichtig.“ 

Carsten Schulte
 

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