Venneker Gruppe | „Wir lassen uns nicht treiben, sondern wir treiben“

Die Venneker Unternehmensgruppe aus Nordkirchen treibt aktuell ein ganzes Bündel an Projekten voran, die allesamt einen Beitrag zur Energiewende leisten. Zentrale Bausteine sind dabei gleich zwei alternative Energieoptionen: Wasserstoff und Photovoltaik (PV). „Immerhin haben wir 110 eigene Lkw im Einsatz. Die Abkehr vom klassischen Verbrenner hin zum Wasserstoff ist für uns daher aus ökologischer und aus ökonomischer Sicht unabdingbar. Darüber hinaus ergeben sich für uns aber auch an vielen anderen Stellen erhebliche Einsparpotenziale, die uns und der Umwelt helfen“, verrät Albert Venneker, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, die heute mit 230 Mitarbeitenden in den Sparten Viehhandel, Logistik und Natur unterwegs ist.

Venneker hat an seinem Hauptsitz in Nordkirchen 50 Ladesäulen installiert. | Foto: Terhörst

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PV UND WASSERSTOFF
Aktuell investiert die Venneker Gruppe massiv in Photovoltaik. Schon jetzt verfügt das Unternehmen am Standort in Nordkirchen über eine 309 Kilowatt-Anlage, die bis zum kommenden Sommer auf 1,3 Megawatt ausgebaut werden soll. „Dafür werden wir sämtliche freie Dachflächen, aber auch die eine oder andere Boden-Freifläche bei uns am Hauptsitz nutzen. Zudem wollen wir Dachflächen bei anderen Unternehmen pachten, auf denen wir dann ebenfalls PV-Anlagen installieren“, verrät Albert Venneker. Ein XXL-Stromspeicher inklusive Trafostation in einem eigenen 90 Quadratmeter großen Häuschen sollen dafür sorgen, dass Venneker den „grünen“ Strom auch dann nutzen kann, wenn nicht die Sonne scheint.  
Mit dem PV-Strom will die Venneker Gruppe unter anderem eine eigene Wasserstoffproduktion aufbauen. Geplant sind fünf Elektrolyseure, die Methan in Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff aufspalten sollen. Das dazugehörige Methan will Venneker aus zwei Biogasanlagen und aus der eigenen neuen Waschanlage (siehe unten: Innovative Waschhalle) beziehen. 
„Einen Teil des selbst produzierten Wasserstoffs wollen wir für den Betrieb unserer Lkw-Flotte verwenden, die wir von nun an schrittweise auf Wasserstoff umstellen werden“, erläutert Martin Venneker, der sämtliche Innovationsprojekte im Unternehmen technisch betreut. Vier Diesel-Lkw aus dem Bestand sollen im ersten Schritt umgerüstet und ein weiterer Wasserstoff-Lkw soll neu angeschafft werden. 
Über den Eigenbedarf hinaus will das Unternehmen den produzierten Wasserstoff künftig in einer eigenen Wasserstoff-Tankstelle am Unternehmenssitz an der Ermener Straße frei zum Verkauf anbieten. Die erforderlichen Veränderungen des Bebauungsplans sind auf dem Weg, sodass das Unternehmen unmittelbar nach der Anpassung mit dem Bau der Tankstelle starten will.  
Auch der Sauerstoff und der Kohlenstoff (Black Carbon), die bei der Umsetzung des Methans im Rahmen der sogenannten Plasmalyse freigesetzt werden, bleiben nicht ungenutzt. Der Kohlenstoff wird voraussichtlich Abnehmer in der Bau- und Straßenbauindustrie finden und der Sauerstoff soll sogar im unmittelbaren Umfeld des Unternehmens zum Einsatz kommen. „Mit reinem Sauerstoff lässt sich Abwasser effizienter klären als mit normale Luft. Daher wollen wir den Sauerstoff für unsere Prozessabwasserreinigungsanlage nutzen (Anm. d. Red.: siehe unten: Innovative Waschhalle). 
 

INNOVATIVE WASCHHALLE 
Für die fachgerechte Reinigung der Viehtransporter betreibt Venneker seit vielen Jahren eine eigene Waschhalle. Nachdem die neue Waschhalle am Standort Ermener Straße geplant worden ist, ist festgestellt worden, dass die Kapazitäten im benachbarten Klärwerk für den ordnungsgemäßen Betrieb dieser Anlage dauerhaft nicht mehr ausgereicht hätten, es gab also Handlungsbedarf. Für Martin Venneker abermals ein Grund, selbst die Initiative zu ergreifen: Mit Unterstützung eines Start-ups hat der gelernte Chemikant ein einmaliges Kreislaufsystem entwickelt, das das vergleichsweise stark belastete Waschwasser in einem biologischen Reinigungsprozess komplett keimfrei wiederaufbereitet. Lediglich der Klärschlamm (zwei Prozent) bleibt am Ende als Abfall für die Entsorgung zurück. Das System erfüllt den höchsten deutschen Standard (Klärtechnik Stufe 4) und es läuft komplett auf Basis künstlicher Intelligenz, sodass es ohne Personalaufwand per Fernwartung gesteuert werden kann. Die Abrechnung für Fremdfirmen, die dort ebenfalls ihre Fahrzeuge reinigen können, erfolgt genauso vollautomatisch digital wie die Ausstellung der erforderlichen Desinfektions- und Rechnungsbelege. 
Da die Energie für den Betrieb der Anlage aus der firmeneigenen Photovoltaikanlage stammt und weil in dem Prozess so gut wie kein Wasser verloren geht, bringt die neue Anlage auch einen echten Mehrwert für die Umwelt. „Entsprechend groß ist das Interesse an dieser Technologie. Insbesondere unsere Partner in Ländern wie Spanien, in denen Wasser noch knapper ist als bei uns, scharren schon regelrecht mit den Hufen“, verrät Martin Venneker, der einen anderen wertvollen Nebeneffekt sogar erst im Laufe der Umsetzung erkannt hat: Bei der Reinigung des Wassers entstehen nämlich nicht unbeträchtliche Mengen an Methan, die Venneker nun einerseits für die Erhitzung des Waschwassers und andererseits künftig für die Beheizung einer neuen Lkw-Werkstatt (s. unten) oder wiederum für die Produktion von Wasserstoff nutzen kann. 
 

NEUE LKW-WERKSTATT AUCH FÜR WASSERSTOFF-ANTRIEBE 
Auch bei dem jüngst angelaufenen Neubau einer fünfspurigen Lkw-Werkstatt auf dem Venneker-Gelände in Nordkirchen hat das Unternehmen die Wasserstoffstrategie fest im Visier. So sollen in der neuen Werkstatt nicht nur konventionelle Fahrzeuge, sondern auch Wasserstofffahrzeuge repariert und instandgehalten werden können. Aktuell befindet sich die Werkstatt noch im Bau, die Eröffnung der Werkstatt, in der Venneker auch die Auflieger anderer Unternehmen warten und instandsetzen will, ist für März 2023 geplant.
 

ZWEITGRÖẞTER E-LADEPARK IN NRW 
Ein nicht unbeträchtlicher Teil des PV-Stroms, den das Unternehmen produziert, fließt auch in die neue E-Ladeinfrastruktur, die Venneker unlängst am Unternehmenssitz installiert hat. „Mit 50 Ladesäulen verfügen wir seit Kurzem über den zweitgrößten E-Ladepark in ganz NRW. Entsprechend viel Strom benötigen wir“, verrät Albert Venneker, der im nächsten Jahr E-Fahrzeuge als Dienstwagen einsetzen möchte. Mit dem Ziel, sich im Zuge des Fachkräftemangels noch stärker als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren, sollen in naher Zukunft auch Poolfahrzeuge für die Lkw-Fahrer angeschafft werden, damit diese die E-Fahrzeuge für den Hin- und Rückweg zur Arbeit nutzen können. Alle anderen Mitarbeitenden, die ein Elektrofahrzeug fahren, sollen künftig kostenlos am Unternehmenssitz tanken können.
Innovative Projekte wie diese sind für Venneker fast schon ein Teil der Firmen-DNA, unterstreicht Geschäftsführer Albert Venneker: „Proaktivität ist für uns zentraler Bestandteil der Strategie. Wir lassen uns nicht treiben, sondern wir treiben. Daher wollen wir auch mit Blick auf die Energiewende ein Vorreiter sein.“
Ein Beleg, dass dieser Ansatz aufgeht, ist die EMAS-Zertifizierung für nachhaltiges Umweltmanagement (Anm. d. Red.: Eco-Management und Audit Scheme), die das Unternehmen im April dieses Jahres, also noch bevor die neuen Projekte greifen konnten, erhalten hat. „In unserer Branche ist diese Zertifizierung an sich schon eine echte Alleinstellung. Ausruhen wollen und werden wir uns darauf aber nicht. Unser Handeln ist immer nach vorne gerichtet!“, betont der Unternehmer. 

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