Vansformers | Businessplan: handwerkliche Allrounder

Was haben ein Expeditionsfahrzeug, ein mobiles Jugendzentrum und ein Van für den nächsten Surfurlaub gemeinsam? Sie alle benötigen eine spezielle Ausstattung, damit sie entsprechend genutzt werden können. Das ist buchstäblich Handwerk, denn die Ausbauten sind so individuell wie die Anforderungen an die Fahrzeuge selbst. Handwerkliches Geschick aus Elektrotechnik, Holz- und Metallbau, Kfz-Mechatronik und vieles mehr kommen hier zusammen. Genau darauf haben sich die Vansformers aus Melle spezialisiert. Was zunächst als Feierabendprojekt unter langjährigen Freunden begann, ist heute zu einem Unternehmen für Sonderausstattung und Aufbauten von Reisemobilen und weiteren Nutzfahrzeugen geworden.

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Für Vansformers haben die drei Gründer – Alexander Järisch, Jonas Hehemann und Joachim Kleine-Kalmer – ihre jeweilige (handwerkliche) Expertise zusammengebracht. Während Hehemann sich als gelernter Tischler um den Holzausbau in den Fahrzeugen kümmert, übernimmt der Zerspaner Järisch die Projektsteuerung. Und Kleine-Kalmer ist für den buchhalterischen Part zuständig. Ein Trio, das funktioniert, auch wenn der Start Mitte 2021 während der Corona-Pandemie nicht leicht war. Denn der Plan war eigentlich, drei eigene Fahrzeugmodelle mit speziellen Innenausbauten fürs Reisen zu bauen und diese auf den Markt zu bringen. Mangels Bekanntheit war das aber gar nicht so leicht. „Zum Glück sind wir klein und wendig, sodass wir unseren Businessplan schnell geändert haben“, blickt Hehemann zurück. Die neue Strategie: individuelle Ausbauten und Nachrüstungen für vorhandene Nutzfahrzeuge von Kunden. Auch Reparaturen und Servicearbeiten gehören dazu.  

Über 100 Fahrzeuge seit der Gründung gefertigt

Seit Mitte 2023 bauen und tüfteln die Vanformers am neuen Standort in Melle. Sieben Mitarbeiter beschäftigt das Trio heute. Neben Wohnmobilen bearbeiten sie zum Beispiel auch Sondermobile für Hobby und Beruf. Das sind etwa Vans für Extremsportler, die ihr gesamtes Equipment mit auf Reisen nehmen. Oder ein mobiles Jugendzentrum der Stadt Melle, das über eingebaute Spielekonsolen und Küchennischen verfügt. Oder Messtechnikfahrzeuge für die Forschung. Fast jedes Fahrzeug wird außerdem mit Solarmodulen für einen möglichst autarken Einsatz ausgestattet. Je nach Umfang kann es bis zu vier Monate dauern, bis ein Mobil mit allen Extras fertig eingerichtet ist. „Für den Standardkastenwagenausbau benötigen wir rund fünf bis sechs Wochen“, vergleicht Hehemann. Mit seinem Team hat er so schon rund 100 Fahrzeuge seit Gründung in der Werkstatt aufbereitet, etwa 15 bis 20 Vollausbauten pro Jahr. Die Kunden stammen überwiegend aus der Region, aber auch von der Nordsee oder aus Süd-Europa. 

Einen der ungewöhnlichsten Aufträge bekam Vansformers direkt aus der Nachbarschaft: Für ein Museum in Osnabrück hat das Unternehmen ein Umwelt- und Forschungsmobil ausgestattet. Das Fahrzeug kommt zum Beispiel bei Ausflügen von Schulklassen und Kindergärten im Wald zum Einsatz. Die Jugendlichen können in dem Mobil Bodenproben untersuchen oder Würmer unter die Lupe nehmen. „Dafür haben wir allerhand Technik und Bildschirme eingebaut. Das war ein spannendes Projekt und es ist umso schöner, wenn wir mit unserer Expertise die Region fördern können“, betont Hehemann. 

Für den seriellen Ausbau will Vansformers einen neuen Anlauf nehmen: Aktuell entwickelt das Team gemeinsam mit einem Partnerunternehmen ein entsprechendes Konzept. „Viel mehr können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, aber es geht in Richtung Reisemobil“, gibt Hehemann einen Einblick.  

Handwerklicher Background

Dass sich die Vansformers immer wieder neue Ideen einfallen lassen und ausprobieren, liege vor allem an ihrem handwerklichen Background. Elektrotechniker, Kfz-Mechaniker, Ingenieure, Zimmerer, Tischler, Designer arbeiten unter einem Dach zusammen. Und alle sind irgendwie Allrounder. „Unser gesamtes Team hat eine handwerkliche Ausbildung durchlaufen und damit das Rüstzeug, um sich immer wieder neue, kreative Lösungen einfallen zu lassen“, betont Hehemann. Und um ihre Erfahrungen mit verschiedenen Materialien einzubringen. Dem Kunden zeigen, was für seinen Bedarf sinnvoll ist, gehört auch dazu. „Der schönste Bezugstoff für den Innenbereich eines Reisemobils nützt nichts, wenn er besonders empfindlich ist oder witterungsbedingt schnell abfärbt“, weiß Hehemann. Oft geht es bei den Sonderlösungen buchstäblich darum, „um die Ecke zu denken“. Zum Beispiel: Möbel so anzuordnen, dass sie im Handumdrehen eine andere Funktion erfüllen. Für die Sonderbauten kooperiert Vanformers zum Teil mit benachbarten Tischlereien und Metallbauunternehmen. 

Bald könnten auch gelernte Wohnmobiltechniker zum Team gehören. Denn auf Drängen der Branche starten an ausgewählten Berufskollegs jetzt Modelljahrgänge mit einer Ausbildung speziell für den Bereich der Sonderaufbauten. „Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt“, so Hehemann. Ihm ist die handwerkliche Praxis wichtig. „Wir benötigen Allrounder, die Maschinen bedienen können, aber auch in der Lage sind, ein Fenster einzusetzen und ein grundlegendes Verständnis von Elektrik haben. Das ist körperlich anstrengende Arbeit und hat nichts mit der romantisierten Vorstellung zu tun, dass man mal eben Features in einen Van bastelt und dabei Surfvideos schaut.“ 

Das Geschäft habe sich zuletzt gut entwickelt. „Wir haben gerade zu Beginn viel von Mundpropaganda profitiert. Unsere Klientel ist überwiegend sehr finanzstark, sodass sich die allgemeine Konjunkturflaute in unseren Auftragsbüchern nicht bemerkbar macht“, betont der Gründer. Gleichwohl sei der Markt insbesondere bei Wohnmobilen nach dem Boom infolge der Corona-Pandemie übersättigt. „Das betrifft aber eher die Händler für Neufahrzeuge. Der Ausbau von Bestandsfahrzeugen und entsprechende Serviceleistungen sind nach wie vor gefragt. Zumal wir einschätzen können, welche Features auch mit Blick auf die Sicherheit im Straßenverkehr überhaupt machbar und genehmigungsfähig sind“, bestätigt Hehemann, der dafür mit Gutachtern und den entsprechenden Zulassungsbehörden eng zusammenarbeitet. 

450 bis 500 Einzelteile

Er sieht noch eine ganz andere Herausforderung: die Verfügbarkeit von Fenstern, Kühlschränken und Kleinteilen. „Wir verbauen rund 450 bis 500 Einzelteile plus Schrauben pro Fahrzeug“, erklärt der Tischler. Viele Teile werden von Zulieferern per Seefracht geliefert und sind Einzelstücke. „Da kann es schon mal zu längeren Lieferzeiten kommen, sodass wir Projekte erst zeitverzögert vollständig abschließen können“. Daher setzen die Vansformers zunehmend auf Partner aus der Region. „Die Produkte sind dann zwar etwas teurer als vergleichbare Ware aus Fernost, aber sie sind kurzfristig verfügbar.“ 

Auch wenn der Ausbau der Fahrzeuge mit Sonderanfertigungen viel handwerkliches Geschick erfordert, spielt die Digitalisierung eine große Rolle im Alltag der Vansformers. Anhand von Visualisierungen stimmen die Gründer mit ihren Kunden ab, wie das fertige Fahrzeug später aussehen könnte und welche Arbeiten dafür nötig sind. Gezeichnet wird dabei noch selbst mithilfe von CAD. „Wir wollen aber gerne auf eine KI-Software für die Entwurfszeichnungen umsteigen. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass KI manchmal auch zum Halluzinieren neigt. Nicht alles, was die KI vorschlägt, lässt sich auch so in die Praxis umsetzen. Da müssen wir unseren gesunden Menschenverstand anwenden“, stellt Hehemann klar. 

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