„Wir entwickeln gerade neue Apps für das Fuhrparkmanagement. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf Daten, die normalerweise in einer Fahrzeugakte in Papierform festgehalten und in der Regel per Hand aktualisiert werden“, gibt Fabian Bielefeld, gemeinsam mit Markus Vinke Geschäftsführer des Unternehmens, einen Einblick. Auch Stammdaten wie der nächste TÜV-Termin, die Gefahrgutklasse des Fahrzeugs, Informationen zum Leasingvertrag oder der Spritverbrauch sollen dort künftig hinterlegt werden. Das Ziel: Diese Angaben und die Daten, die auf der Tour gesammelt werden, sollen künftig automatisch in die Fahrzeugakte einfließen und so dazu beitragen, dass der Lkw bestmöglich eingesetzt werden kann.
Kooperation mit Westfälischer Hochschule
Schon heute setzt TIS moderne Komponenten in der Software für den Logistikbereich ein, wenn es um die Dokumentation von Aufträgen geht: Umfang der Ware sowie Start- und Endziel der Tour können erfasst und bei Bedarf auf dem Mobilgerät vorgelesen werden. „Wir können die gesamte Supply-Chain managen und monitoren, das schafft Transparenz und Warenversender und Empfänger können frühzeitig reagieren, falls Produktionsprozesse vom Warenfluss abhängig sind“, erklärt Bielefeld. Die Umsetzung von Weiterentwicklungen stammt übrigens nicht selten aus der Nachbarschaft: In Kooperation mit der Westfälischen Hochschule Bocholt entwickelt TIS gemeinsam mit Masterabsolventen immer wieder neue Features. „Zuletzt hat uns ein KI-gestützter Ansatz eines Studierenden so überzeugt, dass wir es in unsere Systeme eingebaut haben. Er hat ein Programm entwickelt, das Anomalien automatisch erkennt. Dadurch lässt sich frühzeitig sehen, wenn Daten von der üblichen Entwicklung abweichen“, erklärt Geschäftsführer Vinke. „Predictive Maintenance“ heißt das in der Fachsprache. In die Praxis übersetzt: Das System kann frühzeitig erkennen, wenn beispielsweise Datenbankabfragen allmählich langsamer werden und eventuell ein Problem vorliegt.
Staus meiden
Ansätze, die digital erfassten Daten zum Lkw und Fahrverhalten sinnvoll zu nutzen, gibt es viele – vor allem mit Blick auf die Nachhaltigkeit. So lässt sich mit den TIS-Systemen zum Beispiel genau beziffern, wie viel CO2 pro Fahrt ausgestoßen wird. Das Bremsverhalten oder ob ein Tempomat genutzt wird, zeigen Optimierungsbedarf auf und können eine Fahrerschulung unterstützen. Das größte Potenzial stecke aber in der Tourenoptimierung. Staus meiden, aber trotzdem keine kilometerlangen Umwege fahren, eventuell die Stopps anders anordnen. Die Routenplanung ist eine Sache für sich. „Die KI wird das in den kommenden Jahren noch einmal deutlich verbessern. Für die automatische Berechnung und Optimierung der Lkw-Touren benötigen wir allerdings viel Rechenpower, da zahlreiche Daten in Echtzeit verarbeitet werden müssen. In weiter Zukunft könnte Quantencomputertechnik hier eine Lösung sein, die aktuell aber noch unbezahlbar ist und von der Entwicklung noch in den Kinderschuhen steckt. Wir sind permanent im Austausch mit der Westfälischen Hochschule, wie sich neue Technologie in die Logistik integrieren lassen“, erklärt Vinke. Neben der Zeitersparnis sollen so ebenso Verbrauch und Umwelt geschont werden.
Auch in der Kommunikation mit dem eigenen Fuhrpark und mit dem Kunden könne die Digitalisierung helfen. „Unser System trackt sämtliche Fahrzeuge und Stopps und stellt diese Informationen in Track-and-Trace-Portalen zur Verfügung, sodass jederzeit online abrufbar ist, wo sich der Lkw gerade befindet und wann er voraussichtlich am Ziel ankommt. Das entlastet die Fahrer, weil sie sich nicht mehr darum kümmern müssen, ihre Ansprechpartner am Zielort zu kontaktieren“, erklärt Vinke.
Die Logistikabläufe auf diese Weise transparent zu machen, sei für viele Unternehmen essenziell, um den Betrieb überhaupt aufrecht erhalten zu können. „Unser größter Kunde hat 6.000 Fahrzeuge im Bestand. Um alle gleichzeitig im Blick zu behalten, braucht er ein digitales Transport- und Fuhrparkmanagement – anders ist es gar nicht händelbar“, macht Vinke klar.
Datenschutz beachten
Wer viele sensible Daten sammelt und verarbeitet, muss sich zwangsläufig auch darüber Gedanken machen, wie sich diese Angaben vor fremdem Zugriff sichern lassen. „Letztendlich sorgen wir mit unserer Software für einen gläsernen Fahrer – da ist es absolut wichtig, sich mit dem Datenschutz zu befassen. Deswegen sind wir auch ISO 27001 und VdS 10010-zertifiziert und garantieren damit gegenüber unseren Kunden, dass wir ein Datenschutzniveau gemäß den Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung implementiert haben“, betont der Geschäftsführer. Einmal im Jahr muss TIS dafür ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen. „Der Aufwand, den wir dafür betreiben, ist hoch, aber letztendlich angesichts zunehmender weltweiter Cyberangriffe in jedem Fall sinnvoll. Denn gerade in der Logistik ist vieles einfach mit vielem vernetzt.“