Rigterink ist heute in drei Bereichen tätig: im klassischen Transportgeschäft, im Logistikbereich mit Lagerhaltung und Kommissionierung sowie in der Abfüllung von Katzenstreu. Einen Schwerpunkt bildet die Lebensmittellogistik. „Hier sind wir zwar sehr saisongetrieben – zu den Feiertagen wird viel Schokolade gefahren, im Frühjahr und Sommer unter anderem Blumen. Aber es gibt auch Güter, die durchgängig gefragt sind, wie Tiernahrung“, erklärt Helge Rigterink.
Konjunkturelle Schwankungen und Konsumzurückhaltung angesichts steigender Verbraucherpreise spüre das Unternehmen unmittelbar. Auch Preisverhandlungen zwischen Lebensmittelproduzenten und dem Handel sowie daraus resultierende Lieferstopps beeinflussen das Geschäft. Das Transportvolumen gehe dann automatisch zurück. „Die Lage ist aufgrund der weltpolitischen Lage sehr angespannt. Wir schauen daher etwas skeptisch auf die kommenden Monate – aber wir bleiben optimistisch“, betont der Unternehmer. Rund 1.000 Mitarbeitende an neun Standorten mit 150.000 Quadratmeter Lagerfläche in Deutschland und 400 Fahrzeuge gehören zu Rigterink.
Ein Teil der Flotte fährt elektrisch
Ein Faktor, der das Geschäft der Nordhorner ebenfalls beschäftigt: die Energiepreisentwicklung. Genau deshalb hat die Unternehmensgruppe in den vergangenen Jahren neue Wege beschritten, um die Kosten zu senken. Auf ausgewählten Strecken – innerhalb von Berlin sowie zwischen Schüttorf und Destinationen im Münsterland – fährt ein Teil der Flotte mit elektrischem Antrieb. „Diese Strecken sind gut planbar und verhältnismäßig kurz mit mehreren Stopps, sodass wir mit der Reichweite von rund 300 Kilometern gut auskommen und die Lkw abends an unseren Standorten laden können“, erläutert Helge Rigterink. Zwei Elektro-Lkw sind bereits im Einsatz, fünf weitere, die sogar bis zu 550 Kilometer weit fahren können, sollen jetzt hinzukommen. Rund 35 Prozent der CO2-Emissionen hat das Unternehmen unter anderem dadurch gegenüber 2010 einsparen können. Für die Zukunft müsse sich die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge aber ändern, wie Arne Rigterink betont: „Wir sind kein Netzwerklogistiker, wir können nicht jeden Tag nur nach A oder B und wieder zurück zur Basis fahren. Die Fahrzeuge gehen auf größere Touren, dafür brauchen wir ein verlässliches Ladenetzwerk. Insofern hoffen wir, dass sich da in absehbarer Zeit etwas tut.“ Aus diesem Grund und wegen der hohen Anschaffungskosten käme zurzeit auch (noch) kein mit Wasserstoff angetriebenes Fahrzeug infrage. „Eventuell wollen wir aber 2026 einen solchen Lkw testen“, kündigt Arne Rigterink an.
Neuland hat die Unternehmensgruppe auch in der Logistik betreten: Um den Lagerbestand zu erfassen, hat Rigterink eine Drohne für seinen Standort in Hessen eingesetzt, anstatt alle Güter per Hand mit Listen zu erfassen. Der Flugroboter kann zwei Regalseiten gleichzeitig scannen. „Der Ansatz war gut, aber es gibt noch Optimierungsbedarf bei der Übertragung der Daten in unser System. Es nutzt nichts, jeden Digitalisierungstrend mitzumachen, wenn die eigenen Strukturen noch nicht dazu passen. Dann muss man einfach weiter testen“, betont der Geschäftsführer.
Dass die Digitalisierung mitunter Zeit braucht, stellen die beiden Brüder auch immer wieder in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden fest. Die Rigterink-Fahrer sind bereits mit Tablets ausgestattet, sodass Lieferscheine digital erfasst und übergeben werden können. Aber: „Der Lebensmittelhandel hält nach wie vor überwiegend an Dokumenten auf Papier fest. Wir müssen unsere Lieferscheine also trotzdem ausdrucken. Wir hoffen, dass die ersten Kunden hier bald umdenken“, so Arne Rigterink.
Kein fester Routenplan, sondern Zeitfenster
Generell bringe die Spezialisierung auf den Lebensmittelbereich einige Herausforderungen mit sich. Anspruch an Qualität und Sicherheit der Ware sei hier besonders hoch. „Wir müssen uns den Standards der Lebensmittelhersteller anpassen, da wir als Transporteur ein entscheidender Player in der Lieferkette sind“, betont Arne Rigterink. Für Kühlung, Rückverfolgbarkeit per Barcode und Schädlingsbekämpfung gebe es daher bestimmte Vorgaben. Pro Hallenabschnitt messen im Lager zum Beispiel zwei Sensoren alle zehn Minuten die Temperatur, ebenso auf dem Lkw. Die Temperatur kann das Team der Qualitätskontrolle vom Schreibtisch aus digital anpassen. Auch bei der Kommissionierung der Lkw-Ladung gilt es, die verschiedenen Eigenschaften der Lebensmittel zu beachten: Erdnussprodukte separat, um Allergene nicht mit anderen Produkten zu vermischen. Kaugummis nicht mit Schokolade zusammen verpacken – „sonst schmeckt alles nach Minze“, lacht Arne Rigterink. Einen festen Fahrplan gebe es daher nicht. „Je nachdem, was der Handel bei uns ordert, wird die Ware innerhalb von 48 Stunden flexibel gepackt und los geht’s. Flexibilität ist in unserem Geschäft Standard – das steht der Automatisierung dann etwas im Wege. Ohne kreativ denkenden Menschen geht es bei uns nicht“, gibt der Unternehmer einen Einblick.
Auch ein Grund, warum die Fahrer keinen festen Routenplan vorgeschrieben bekommen. „Fest stehen nur die Zeitfenster, in denen wir die Ware bei unseren Kunden abladen können. Mithilfe eines genauen Staumessers wählen unsere Fahrer dann die bestmögliche Route aus“, so Helge Rigterink, der dabei auch gute Erfahrung mit Personal aus dem Ausland gemacht hat. Damit es keine Sprachbarriere gibt, hat das Unternehmen auch in der Verwaltung und im Lagerbereich Mitarbeitende eingestellt, die mehrere Sprachen – vor allem die der Fahrer – sprechen. „Daher sind wir sehr froh, dass durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Auflagen für Personal aus dem Ausland gelockert werden, damit sie möglichst schnell anfangen können zu arbeiten“, betont der Geschäftsführer.