Handwerk | Stabil, vielfältig, gefordert

Es ist mal laut, mal leise. Mal grob und kantig, mal absolut präzise. Es ist traditionsbewusst und trotzdem ständig im Wandel: das Handwerk. Es gibt wohl kaum eine Branche, die so vielfältig ist. Über 130 Berufe gehören laut Zentralverband des Deutschen Handwerks heute dazu und sie begegnen uns im Alltag ständig. Beim Hausbau, beim Einkaufen, im Büro. Überall. Auch in unserer Region ist das Handwerk eine tragende Säule des stabilen Mittelstands.

Foto: AdobeStock/Anselm

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Im Münsterland und im südwestlichen Niedersachsen zeigt sich das Handwerk aktuell robust, aber: Es fehlt an Schwung und neuen Impulsen, wie die Handwerkskammer (HWK) Münster in ihrer Herbstkonjunkturumfrage ermittelt hat. „Das Handwerk steht stabil, aber es kommt kaum voran“, fasst HWK-Präsident Jürgen Kroos die Ergebnisse zusammen. An der Umfrage nahmen 556 Handwerksbetriebe aus dem gesamten Kammerbezirk Münster teil. 37 Prozent bewerten ihre Lage als „gut“, 46 Prozent als „befriedigend“ und 17 Prozent als „schlecht“. Damit hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. 

63 Prozent erwarten keine Veränderungen

Nur elf Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften über den Winter, 63 Prozent erwarten keine Veränderungen, 26 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Viele Betriebe hätten gelernt, mit Unsicherheiten umzugehen, erklärt die HWK. Der Geschäftsklimaindex, der Lage und Prognose zusammenfasst, liegt mit 100,7 Punkten praktisch auf Vorjahresniveau (Herbst 2024: 100,4). Regional zeigen sich allerdings Unterschiede: In der Emscher-Lippe-Region stieg der Index deutlich auf 103,3 Punkte (Vorjahr 88,6), im Münsterland sank er leicht auf 99,9 Punkte (Vorjahr 103,6).  

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung beträgt 78,4 Prozent – etwas mehr als im Frühjahr (77,2), aber leicht unter dem Vorjahreswert (78,9). Für die kommenden Monate rechnen 61 Prozent der Befragten mit einer gleichbleibenden Auslastung, 26 Prozent mit einer geringeren und 13 Prozent mit einer höheren. „Das Handwerk stellt sich auf ein ruhigeres Winterhalbjahr ein“, bewertet Kroos. Die Auftragsreichweiten betragen 8,8 Wochen (Herbst 2024: 8,4). Das Bauhauptgewerbe meldet mit 16 Wochen die längsten Reichweiten. 61 Prozent der Betriebe halten ihren Personalbestand, 15 Prozent stellen ein, 24 Prozent bauen ab. Gleichzeitig suchen vier von zehn Betrieben neue Mitarbeiter. „Der Fachkräftemangel bleibt eine riesige Herausforderung“, unterstreicht Kroos. 

Immer noch ein positives Niveau

Ähnlich sieht es im Bezirk der HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim aus. In der Herbst-Umfrage unter 598 Handwerksbetrieben steht unterm Strich ein Geschäftsklimaindex von 109 Punkten – das sind sieben weniger im Vergleich zur Frühjahrsumfrage. „Hierbei gilt allerdings festzuhalten, dass sich die gesamtwirtschaftliche Stimmung im Handwerk der Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim insgesamt immer noch auf einem positiven Niveau mit über 100 Punkten befindet“, ordnet Peter Beckmann, Geschäftsführer des Dezernats Betriebsberatung und Strukturförderung bei der HWK, ein. 86 Prozent aller Betriebe bewerten demnach ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Lediglich 14 Prozent melden eine schlechte Geschäftslage.  

Die Aussichten für die kommenden Monate werden allerdings pessimistischer beurteilt. Über ein Viertel erwartet eine Verschlechterung der geschäftlichen Entwicklung. Auch die Umsatzentwicklung und der Auftragsbestand sind gegenüber Herbst 2024 gesunken, wobei die Beschäftigtenentwicklung stabil geblieben ist, wie die HWK mitteilt. 

Dauerthema ist auch im südwestlichen Niedersachsen der Fachkräftebedarf im Handwerk und die anhaltende Bürokratie. Immerhin: Das Handwerk zieht wieder mehr junge Menschen an: Beide Kammern verzeichneten für 2025 steigende Zahlen bei den Ausbildungsverträgen (Münster: plus 7,1 Prozent, Osnabrück: plus 1,8 Prozent). 

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