Mut und Potenziale freisetzen

Digitrans@KMU-Projektleiter Davis Sossna zieht eine positive Zwischenbilanz. (Foto: FH Münster)Coesfeld
Digitrans@KMU-Projektleiter Davis Sossna zieht eine positive Zwischenbilanz. (Foto: FH Münster)

Münster - Im Oktober 2019 startete das Förderprojekt Digitrans@KMU im Münsterland. Partner sind die Wirtschaftsförderungen der Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf, das Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation (IPD) der FH Münster sowie der münsterLand.digital e.V.. Die Hälfte der Projektzeit ist nun um – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Die Bilanz von Projektleiter David Sossna und Hendrik Plogmaker vom IPD der FH Münster fällt nach dieser Zeit sehr positiv aus. „Wir haben etwas geschaffen, das den Unternehmen wirklich hilft“, betont Sossna. Grundlage für die Arbeit des Teams war die Online-Umfrage „Antworten Made in münsterLand“, an der zu Projektbeginn 115 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe teilgenommen haben. Sie zeigte, wie sich die Unternehmen im Müns-terland in Sachen Digitalisierung selbst einschätzen, welche Technologien für sie relevant sind und wo sie Unterstützung benötigen. Auf der Grundlage dieser Umfrage haben die Projektverantwortlichen dann das Gespräch mit den Unternehmen gesucht und passende Formate entwickelt. Dazu zählen Austauschangebote, die Vorstellung von Best-practice-Beispielen, das Aufzeigen von Potenzialen und die sogenannten Leitfäden. In den Leitfäden geben Experten aus der Region kleinteilige und konkrete Handlungsempfehlungen zu Herausforderungen der Digitalisierung. Seit Mitte Januar erscheint jede Woche ein neuer Beitrag. „Jedes Unternehmen steht an einer anderen Stelle im Digitalisierungsprozess“, erklärt Projektleiter Sossna. „Deshalb sollen sich die Verantwortlichen in den Unternehmen einen Leitfaden zu den Themen suchen, die sie aktuell angehen.“

Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist dabei das „Digitalradar münsterLand“, eine Vernetzungsplattform für das verarbeitenden Gewerbe. Dort werden gemeinsam und im Austausch digitale Geschäftsmodelle zu innovativen Technologien entwickelt. Außerdem erarbeiten die Teilnehmenden in Fokusgruppen selbstständig Inhalte zu besonders relevanten innovativen digitalen Technologien, zum Beispiel zu Augmented Reality, zum Internet of Things oder zum 3D-Druck. Eine reine Konsumhaltung ist dabei nicht erwünscht – alle Gruppenmitglieder sollen konkrete Vorstellungen mit einbringen und im Austausch voneinander lernen. Pro Runde sind zwischen sieben und 20 Unternehmen dabei. „In so kleinen Gruppen lassen sich intensiv und effektiv Inhalte erarbeiten“, erläutert Plogmaker.


In dem Förderprojekt geht es vor allem darum, den Austausch untereinander zu ermöglichen und die Unternehmen zu begleiten und sie zu bestärken. Zum Beispiel werden im Rahmen von DigiTrans@KMU Methoden für die Entwicklung einer eigenen Digitalisierungsstrategie vorgestellt oder Impulse gesetzt, um innovative Service- und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wichtig ist Sossna und Plogmaker: Das Projekt ist ergebnisoffen angelegt und verfolgt keinen Masterplan. Den gibt es in der Digitalisierung auch nicht, betont Sossna: „Wir wissen nicht, wie die Welt morgen oder übermorgen aussieht. Aber wir müssen uns auf den Weg machen.“

Ein grundsätzliches Ziel ist es, kreative Potenziale und Mut freizusetzen. Denn um die digitale Transformation im eigenen Unternehmen voranzutreiben, braucht es vor allem Mut, so die beiden Experten. Dazu gehört es zum Beispiel, neue Akteure wie Start-ups oder Hochschulen anzusprechen mit ihnen zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Auch die Offenheit gegenüber neuen Methoden und innovativen Technologien ist wichtig, um sein Geschäft noch näher am Kunden auszurichten. Dieser Mut ist im Münsterland schon ausgeprägt, wie Sossna erklärt: „Viele Unternehmer sind sich dessen aber gar nicht bewusst. Sie sind mutiger als sie es selbst wissen. Digitale Technologien fallen gar nicht auf, wenn diese erfolgreich im Unternehmen wirken. Ein Beispiel: Wir waren mit einem Unternehmer im Gespräch, der meinte, innovative digitale Technologien seien aktuell nicht im Fokus. Später im Gespräch stellte sich heraus, dass das Unternehmen bereits  3D-Drucker einsetzt.“ Die Corona-Situation habe sogar dazu geführt, dass der Mut und die Neugierde zugenommen haben. „Digitalisierung ist kein Schreckensgespenst, sondern eine riesige Chance“, verdeutlicht Plogmaker. Er selbst habe durch die Projektarbeit bei Digitrans@KMU gemerkt, wie viel Know-how bereits im Münsterland stecke.

Unternehmen sollten sich aus seiner Sicht darauf konzentrieren, was sie selbst gut können. „Sie müssen ihr eigenes Geschäftsmodell hinterfragen, auch, wenn das schmerzhaft sein kann“, erläutert Plogmaker. Denn die Digitalisierung allein ist kein Allheilmittel, um zukunftsfähig zu bleiben. Vielmehr kommt es auf ein innovatives und zukunftsorientiertes Geschäftsmodell an. „Man würde ja auch keine innovativen und digitalen Services für Geldautomaten entwickeln, nachdem das Bargeld abgeschafft wurde. Das Produkt an sich wäre dann zwar ,smart', aber keiner braucht es“, verdeutlicht Sossna. Alte Gewohnheiten und Prozesse zu hinterfragen und neu zu gestalten, könne außerdem großen Spaß machen, so die Erfahrung der beiden Experten. Zum Beispiel, weil Digitalisierungsprozesse die Zusammenarbeit verbessern oder weil Abläufe reibungsloser funktionieren. „Nicht selten ergeben sich zusätzliche Erfolgserlebnisse, mit denen man gar nicht gerechnet hat“, weiß Plogmaker aus Erfahrung.

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