Münster

IHK-Präsident wirbt in Berlin für Energieträgerkopplung

Münster/Berlin - Die derzeit politisch heftig umstrittenen Kosten für die Energiewende lassen sich um mehrere Milliarden Euro senken, „wenn Stromüberschüsse aus Wind und Sonne in flexiblen Industrieanwendungen wie Prozesswärme genutzt werden, statt Windräder oder PV-Anlagen abzuschalten und dafür auch noch zu zahlen“. Das betonte der Unternehmer und Präsident der IHK Nord Westfalen, Lars Baumgürtel, während der DIHK-Energiekonferenz in Berlin.

An der Talkrunde auf der DIHK-Energiekonferenz nahmen teil (von links): Lars Baumgürtel, Präsident der IHK Nord Westfalen, Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Christian Schmidt, Leiter Abteilung III Strom beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Jürgen Streitner, Abteilungsleiter Umwelt- und Energiepolitik, Wirtschaftskammer Österreich, und Moderator Mads Pankow. Foto: Schicke/DIHK

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„Wir brauchen dringend mehr Effizienz im Energiesystem, um die Stromkosten für die Unternehmen wieder auf ein wenigstens ansatzweise wettbewerbsfähiges Niveau zu bringen“, betonte der IHK-Präsident in einer Talkrunde, an der auch Barbie Kornelia Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, und Christian Schmidt, Leiter Abteilung III Strom im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, teilnahmen.

Durch die intelligente Kopplung verschiedener Energieträger können aus Sicht von Baumgürtel nicht nur die Kosten der Energiewende, sondern auch die CO2-Emissionen deutlich stärker als bisher gesenkt werden. „Nicht das Ziel der Klimaneutralität muss also korrigiert werden, nur der Weg dorthin“, machte der Geschäftsführer der ZINQ GmbH & Co. KG (Gelsenkirchen) deutlich. Denn der Umbau des Energiesystems könne so wie er bislang geplant sei weder vom Staat noch von der Wirtschaft weiter finanziert werden. Ziel müsse es sein, jeweils den Energieträger zu nutzen, der aktuell am effizientesten und kostengünstigsten verfügbar ist. „Nutzen statt Abregeln“ ist Baumgürtels Devise im Umgang mit dem Stromüberschuss, der derzeit für hohe Systemkosten sorge.

Vorteile im Fokus

Baumgürtel warb deshalb in der Bundeshauptstadt für die Energieträgerkopplung, also das flexible Zusammenspiel von Strom, Gas und zukünftig Wasserstoff, wie er es in seinem Unternehmen umsetzen will. „Prozesswärmeanwendungen wie unsere Zinkbäder werden rund um die Uhr betrieben und können flexibel hybridisiert werden“, erläuterte Baumgürtel. Bei Überschuss aus Wind oder Sonne kann die benötigte Wärme mit grünem Strom erzeugt werden, bei Engpässen könnte das Unternehmen, das europaweit mehr als 50 Standorte hat, jederzeit auf Gas umschalten. „Das senkt Emissionen, verbessert die Energiekostenstruktur und zeigt, dass Energiewende und Wettbewerbsfähigkeit kein Widerspruch bleiben müssen“, unterstreicht der IHK-Präsident nochmals.

Das Projekt, das auf Basis einer Studie von Fraunhofer UMSICHT und mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in der Praxis umgesetzt werden soll, ist für ihn ein reales Beispiel dafür, „wie die industrielle Nachfrage die wachsenden Kosten der volatilen Stromerzeugung senken kann“. Baumgürtel: „Das ist kein Zukunftsszenario, das ist heute schon technisch machbar.“

Umso größer ist sein Unverständnis, „dass die Umsetzung vor allem an regulatorischen Hürden scheitert“. Unternehmen, die in solche Hybridtechnologien investieren, würden belastet, statt entlastet. „Sie zahlen Netzentgelte, Baukostenzuschüsse und Abgaben, obwohl sie mit ihrer Flexibilität das Netz stabilisieren“, erläutert er. Das sei absurd. „Wir brauchen eine Anerkennung der Systemdienlichkeit solcher Anlagen“, fordert Baumgürtel. Dann wären Unternehmen bereit, hier zu investieren.

Gesamtkosten senken

Wenn die Politik Strom und Gas (zunächst Erdgas, später Wasserstoff) nicht gegeneinander ausspiele, sondern ein integriertes System schaffe, würden die Gesamtkosten sinken, ist Baumgürtel sicher: „Deckt die Industrie ihren Prozesswärmebedarf systemdienlich mit Überschussstrom, müssen wir weniger in Netze und Speicher investieren.“

Die Fraunhofer-Studie habe zudem gezeigt, dass das System „Smart Power to Heat“ vier- bis fünfmal wirtschaftlicher sei als die Zwischenspeicherung von Strom in Batterien. Im großen Maßstab könnte die energieintensive Industrie in Deutschland laut Baumgürtel mit dieser Technologie 115 Terawattstunden Überschussstrom pro Jahr nutzen. Das entspreche fast einem Drittel des gesamten fossilen Prozesswärmebedarfs. Gleichzeitig ließen sich bis zu 30 Millionen Tonnen CO2  einsparen. „Das ist 40 Prozent des Klimaziels der Industrie für 2030“, machte Baumgürtel klar.

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