Kreis Borken

Europäische Anhängerhersteller protestieren gegen CO2-Verordnung

Lier - Dreißig europäische Anhängerhersteller fordern in einer gemeinsamen Petition eine Überprüfung und Anpassung einer EU-CO2-Verordnung. Die Unternehmen warnen vor Fehlsteuerungen durch das Berechnungstool VECTO, die nach ihrer Auffassung zu höheren Emissionen, Wettbewerbsnachteilen und Arbeitsplatzverlusten führen könnten.

Ein Gruppenfoto der Unterzeichner, aufgenommen in Lier. Foto: Steven Hendrix

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Die Vorstandsvorsitzenden von 30 europäischen Anhängerherstellern, darunter auch Krone und Schmitz Cargobull, fordern die Europäische Kommission und das Europäische Parlament auf, die CO2-Verordnung (EU) 2024/1610 zu überprüfen und anzupassen. Bei einem Treffen in Koningshooikt bei Lier (Belgien) unterzeichneten die Branchenvertreter in der vergangenen Woche eine gemeinsame Erklärung und Petition, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Unternehmen unterstützen demnach grundsätzlich die Klimaziele der Europäischen Union, warnen jedoch davor, dass die Verordnung in ihrer aktuellen Ausgestaltung die CO2-Emissionen im Straßengüterverkehr erhöhen statt senken könnte. Die Mitunterzeichnung erfolgte im Beisein der beiden Mitglieder des Europäischen Parlaments, Kris Van Dijck und Jens Gieseke.

Die Kritik der Hersteller richtet sich gegen die Ausweitung der CO2-Vorgaben auf Anhänger, die selbst keine Emissionen ausstoßen. Die Berechnung erfolgt über das softwarebasierte VECTO-Tool auf Basis standardisierter Referenzlasten und Fahrzyklen. Laut den Unterzeichnern bildet diese Methodik die logistische Realität – wie unterschiedliche Einsatzzwecke, Nutzlastanforderungen und den steigenden Anteil emissionsfreier Zugmaschinen – nicht ab. Um die Vorgaben zu erfüllen, müssten Konstruktionsänderungen vorgenommen werden, welche die Ladekapazität verringern. Dies würde zu mehr Fahrten und Fahrzeugen führen, um dieselbe Gütermenge zu transportieren. Zudem drohen der Branche ab dem Jahr 2030 erhebliche Strafzahlungen bei Zielüberschreitungen, was die rund 70.000 Arbeitsplätze in der europäischen Anhängerindustrie gefährde.

Forderungen der Branchenvertreter

Die Petition umfasst fünf Kernforderungen an die Politik. Die für 2027 geplante Überprüfung nach Artikel 15 soll auf das laufende Jahr 2026 vorgezogen werden. Zudem fordern die Unternehmen, die Flottenziele auf ein erreichbares Maß von beispielsweise 5 Prozent ab 2030 abzusenken und diese ab Juli 2030 schrittweise einzuführen, um Marktverzerrungen zu vermeiden. Neben einem Moratorium für Strafzahlungen wird eine grundlegende Überarbeitung des VECTO-Tools verlangt, um Fahrzeuge fair zu vergleichen und die Marktdurchdringung emissionsfreier Zugmaschinen einzubeziehen. Die Abgaben sollten entfallen, sobald diese Zugmaschinen einen Marktanteil von 70 Prozent erreichen. Das geplante Gutschrift-und-Lastschrift-System sei im aktuellen Zeitrahmen wirkungslos, da notwendige Technologien nicht schnell genug marktreif seien.

Der Europaabgeordnete Van Dijck betonte, dass Dekarbonisierung nicht zur Deindustrialisierung führen dürfe. Die Politik müsse auf der Realität und vorhandener Technologie basieren. Es gehe nicht um schwächere Regeln, sondern um wirksame Vorgaben, die die europäische Industrie stärken. Der Europaabgeordnete Gieseke ergänzte, dass die Ziele technisch erreichbar sein müssten und eine evidenzbasierte Überprüfung noch im Jahr 2026 notwendig sei, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. Gero Schulze Isfort, Sprecher der Streitgemeinschaft von acht deutschen Anhängerherstellern, erklärte, dass die Wettbewerber gemeinsam agieren, um Regeln einzufordern, die Emissionen tatsächlich senken, statt Hersteller auf Basis fehlerhafter Simulationen zu bestrafen. Jeder Monat Verzögerung gefährde Investitionen und Arbeitsplätze.

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