Kreis Borken

Bocholter „Netzwerk Vereinbarkeit“ gegründet

Bocholt – Wie lassen sich Beruf, Kinder und die Pflege von Angehörigen besser miteinander vereinbaren? Und was können Unternehmen tun, um die speziellen Bedürfnisse zum Beispiel von Schichtarbeitern, Monteuren oder alleinerziehenden Eltern besser zu berücksichtigen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich künftig das „Netzwerk Vereinbarkeit“, das das Bündnis für Familie in Bocholt e. V. gegründet hat.

Bocholts Bürgermeister Christian Mangen (hinten Mitte) bei der Gründung des Netzwerks Vereinbarkeit im LernWerk. Dazu lud der Verein Bündnis für Familie in Bocholt ein. Annette Hünting-Deckers (Dritte von links) und Jennifer Middelkamp (Zweite von links) aus dem Vorstand organisieren künftig Netzwerktreffen für interessierte Bocholter und Firmen. Foto: Bündnis für Familie

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Beim Auftakt im LernWerk in Bocholt waren HR-Fachleute und Interessierte aus ganz unterschiedlichen Branchen dabei: vom kleinen Handwerksbetrieb über Dienstleister bis hin zur Industrie. Auch Stadt und Kreis, etwa aus den Bereichen Senioren, Gleichstellung und Demografie, brachten ihre Perspektiven ein. Viele Teilnehmende verbindet dabei ein gemeinsamer Hintergrund: Sie sind selbst betroffen – als Eltern oder Angehörige von pflegebedürftigen Menschen. 

Wie auch Bocholts Bürgermeister Christian Mangen. Er kennt die Herausforderung aus eigener Erfahrung: „Als Vater einer dreijährigen Tochter weiß ich, wie wichtig, aber auch wie schwierig echte Vereinbarkeit ist. Weil ich mein Kind abends auch mal ins Bett bringen möchte, kann ich nicht bei jeder Sitzung dabei sein. Das hat nichts mit einem Ausweichen vor Arbeit oder der viel zitierten Work-Life-Balance zu tun – es geht um ganz grundlegende Bedürfnisse von Familien.“

Synergien heben

„Der Bedarf an Austausch rund um Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit ist groß“, sagt Jennifer Middelkamp aus dem Vorstand des Familienbündnisses und im Hauptamt Pressesprecherin beim Unternehmerverband. „Viele Unternehmen entwickeln bereits gute und flexible Lösungen, wollen aber mehr kennenlernen, sich austauschen oder Synergien heben. Genau hier setzt unser Netzwerk an.“ 

Initiator Flender

Die Initiative für die Gründung hatte der aktuelle Preisträger der Bocholter Auszeichnung für Familienfreundlichkeit gegeben: die Flender GmbH. Vanessa Weyrauch und Mariele Möllenbeck stellten deshalb beim Gründungstreffen die Maßnahmen vor – darunter der betriebsnahe Kindergarten „FleKita“, Zuschüsse für die Kinderbetreuung oder flexible Arbeitszeit- und Standortregelungen. Familienfreundlichkeit sei dabei Teil einer größeren Unternehmensstrategie, bei der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit im Fokus stehen.

Zur Vereinbarkeit gehören neben Kindern zunehmend auch pflegebedürftige Angehörige. Laut Zahlen des Seniorenbüros gibt es in Deutschland rund 5,7 Millionen Pflegebedürftige – etwa 67 Prozent von ihnen werden zu Hause und überwiegend von Angehörigen versorgt. „Die Frage ist nicht, ob man mit Pflege konfrontiert wird, sondern wann“, sagte Antje Schlütter, Pflegekoordinatorin im Geschäftsbereich Rente, Senioren, Betreuungen und Ehrenamt der Stadt Bocholt. Sie stellte Unterstützungsangebote von Stadt und Land vor.

„Flexibilität ist heute in vielen Branchen selbstverständlich – Kunden erwarten sie. Aber auch Beschäftigte brauchen sie“, betonte Annette Hünting-Deckers. Die Demografiebeauftragte der Stadt Bocholt und zugleich stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses für Familie ergänzte: „Gerade Monteure, Schichtarbeiter oder Beschäftigte auf Baustellen müssen stärker mitgedacht werden.“ Dieses Thema, Vereinbarkeit für gewerblich-technische Beschäftigte, sowie weitere wie etwa „Führen in Teilzeit“ sollen bei den künftig zwei Treffen im Jahr im Mittelpunkt stehen. 

Wer beim nächsten Treffen dabei sein möchte, kann sich bei Annette Hünting-Deckers anmelden: annette.huenting-deckers@bocholt.de
 

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