Mobilitätskonzept

Mobilität nachhaltig gestalten

Auch das Fahrrad spielt in den Mobilitätsplanungen der Stadt Bocholt eine wichtige Rolle. (Foto: Stadt Bocholt)
Auch das Fahrrad spielt in den Mobilitätsplanungen der Stadt Bocholt eine wichtige Rolle. (Foto: Stadt Bocholt)

Mit dem Beschluss eines Integrierten Mobilitätskonzepts 2035 hat die Stadt Bocholt einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in Richtung Verkehrswende erreicht. Das Konzept bildet eine strategische Leitlinie für alle Entscheidungen rund um das Thema Mobilität, die in den nächsten 15 Jahren getroffen werden.


Insgesamt sind im Mobilitätskonzept zehn Handlungsfelder mit unterschiedlichen Empfehlungen definiert. In den kommenden 15 Jahren sollen zusätzliche 50 Millionen Euro für die Umsetzung der Projekte ausgegeben werden. „Das Konzept ist eine Orientierung. Nicht jedes Projekt muss also in die Tat umgesetzt werden“, erklärt Hans Schliesing, der bei der Stadt Bocholt unter anderem für den Bereich Straße und Verkehr verantwortlich ist. „Die einzelnen Projekte sind beispielhaft und müssen jeweils einzeln geprüft, konkret ausgearbeitet und politisch beraten werden.“ Grundlage des Konzepts ist eine Stärken-Schwächen-Analyse der Verkehrssituation in Bocholt. Auch die Bürgerinnen und Bürger konnten ihre Wünsche und Ideen in öffentlichen Foren, einem Online-Ideenmelder, einer öffentlichen Ausstellung und Online-Infomöglichkeiten mit einbringen. 


Grundsätzlich hat das Mobilitätskonzept mehrere sogenannte „Oberziele“ definiert, die mit konkreten Maßnahmen erreicht werden sollen. Dazu gehört es zum Beispiel, attraktive Mobilitätsoptionen für alle Bocholter zu schaffen. Auch eine Reduzierung der Umweltbelastungen sowie attraktive Stadt- und Straßenräume sollen die Mobilität in der Stadt verbessern. Ein wichtiges Oberziel ist darüber hinaus die Stärkung des Radverkehrs, wie Schliesing erläutert: „Das Fahrrad hat in Bocholt einen Verkehrsanteil von etwa 40 Prozent. Damit nehmen wir eine Vorreiterrolle ein, die wir weiter ausbauen möchten.“ Ein Ausbau des Radwegenetzes, abschließbare Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und die Verbindung von ÖPNV und Radverkehr können dazu beitragen. Auch Angebote für Touristen wie einen Fahrradverleih oder Zuschüsse zu E-Lastenrädern schlägt das Mobilitätskonzept vor. „Insgesamt möchten wir den Komfort, die Schnelligkeit und die Sicherheit des Radverkehrs erhöhen“, betont Sascha Terörde, Leiter des Strategie- und Zukunftsbüros bei der Stadt Bocholt. 


Ein weiterer Punkt aus dem Mobilitätskonzept wird bereits seit einigen Jahren stark in Bocholt diskutiert: Der Bau des Nordrings, der den äußeren Stadtring schließen soll. Der Nordring erschließt das Gebiet zwischen Dinxperloerstraße und der Adenauerallee und soll dazu beitragen, die Straßen im Bocholter Norden zu entlasten sowie die Verkehrsbelastung in der Innenstadt zu minimieren. Die Bocholter Bürgerinitiative „Fairkehr statt Nordring“ ist der Ansicht, dass der Lebensstandard in Bocholt ohne Nordring höher und der Bau kontraproduktiv sei: Durch neue Straßen werde langfristig neuer Verkehr entstehen, sodass sowohl die alten als auch die neuen Straßen künftig überlastet seien. Stadtbaurat Daniel Zöhler hält dagegen: „Wir brauchen den Nordring, um einzelne Wohn- und Nebenstraßen zu entlasten sowie neue Wohngebiete erschließen zu können. Außerdem werden Autos auch in Zukunft in ländlichen Regionen ein sehr wichtiges Verkehrsmittel bleiben. Sie werden weniger und sauberer, aber sie werden nicht verschwinden.“ Aufgrund der kontroversen Diskussionen um den Nordring sind im Mobilitätskonzept verschiedene Szenarien aufgeführt, die Optionen mit und ohne Nordring aufzeigen. Welches der Szenarien letztendlich in die Tat umgesetzt wird, steht aktuell noch nicht fest. 


Das Mobilitätskonzept greift zudem Themen auf, die über die Stadtgrenze hinaus für Bocholt relevant sind. Dazu zählt zum Beispiel eine bessere Bahnanbindung, insbesondere eine 30-Minuten-Taktung in Richtung Wesel/Düsseldorf mit längeren Fahrzeiten am Abend. „Eine Halbstundentaktung ist wünschenswert, um mehr Frequenz auf der Strecke zu generieren“, erläutert Schliesing. „Für Pendler zum Beispiel ist eine stündliche Taktung nicht attraktiv genug.“ Auch eine Stärkung der Regionalbusverbindungen empfiehlt das Konzept. Ein weiteres Ziel ist der Ausbau des Bahnhofs und des Bustreffs zu modernen Mobilstationen. „Das soll dazu beitragen, die Verkehrsmittel untereinander besser zu verknüpfen“, gibt Zöhler einen Einblick. Insgesamt will die Stadt Bocholt mit dem Integrierten Mobilitätskonzept innovative Wege und Projekte aufzeigen, um die Mobilität in Bocholt nachhaltig zu gestalten.

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