kubaai

Ein Erlebnisort für Bocholt

Ludger Dieckhues, Thomas Kerkhoff und Daniel Zöhler beim Ortstermin am kubaii-Areal
Ortstermin am kubaii-Areal (von links): Wirtschaftsförderer Ludger Dieckhues, Bürgermeister Thomas Kerkhoff und Stadtbaurat Daniel Zöhler (Foto: Bruno Wansing)

Es ist ein echtes Mammutprojekt und das größte Bauvorhaben in der Bocholter Nachkriegsgeschichte: Auf der historischen Industriebrache des ehemaligen Ibena-Geländes zwischen der Bocholter Innenstadt und dem Aasee entsteht ein neues urbanes Quartier mit einem Kultur- und Bildungsschwerpunkt sowie zahlreichen Wohnungen und Arbeitsmöglichkeiten. Die Bauarbeiten im „Kulturquartier Bocholter Aa und Industriestraße“ oder kurz „Kubaai“ sind bereits angelaufen.

„Kubaai ist ein echtes Leuchtturmprojekt für Bocholt“, betont Stadtbaurat Daniel Zöhler. „In dem neuen Quartier verknüpfen wir die textile Vergangenheit unserer Stadt mit der Zukunft.“ Bürgermeister Thomas Kerkhoff betont: „Das Kubaai-Gelände ist über die Grenzen des westlichen Münsterlandes hinaus eines der spannendsten Bauprojekte. Innerhalb von fünf bis acht Jahren entstehen dort, nur rund 700 Meter vom Innenstadtkern entfernt, mehr als 500 Wohnungen.“ Zusätzlich zu den Wohneinheiten werden auf der ehemaligen Industriebrache 11.000 Quadratmeter Büro-, Gastronomie- und Dienstleistungsflächen entstehen. 7.000 Quadratmeter Geschossfläche sind für Bildungsträger sowie für Kunst- und Kulturbetriebe geplant. Das Projekt wurde im Rahmen der Regionale 2016 gefördert und ist auf zehn bis 15 Jahre angelegt. Das gesamte Areal ist in vier Baufelder aufgeteilt, die jeweils individuell bebaut werden. „Der Quartierscharakter entsteht dann durch eine einheitliche architektonische Sprache“, erklärt Zöhler. Insgesamt fließen schätzungsweise 180 Millionen Euro private Bauinvestitionen in das Gelände. Hinzu kommen 55 Millionen Euro öffentliche Investitionsgelder sowie eine umfassende Förderung des Landes NRW in den Bereichen Städtebau und Gewässerökologie. Bürgermeister Kerkhoff betont: „Mit dem Kubaai-Gelände werden wir vielleicht keine deutschlandweit bekannte Touristenstadt – aber wir schaffen einen Erlebnisort für die Menschen, die in Bocholt Zuhause sind.“

Lernwerk

Aktuell laufen bereits die Bauarbeiten am Bildungshaus Lernwerk: Im Generalgebäude der ehemaligen Weberei Carl Herding sollen künftig städtische Einrichtungen wie die Volkshochschule, die Musikschule, das Stadtarchiv oder die Junge Uni einziehen. Außerdem sollen dort Ateliers für die freie Kultur- und Künstlerszene Platz finden. Das Land NRW fördert den Umbau des Gebäudes mit 8,89 Millionen Euro – das sind etwa 60 Prozent der Bau- und Planungskosten. „Wir haben das Lernwerk offen konzeptioniert und wollen damit den Austausch vieler Akteure fördern“, erläutert Zöhler. Ziel ist es, die Aktivitäten städtischer, regionaler und privater Bildungs- und Kultureinrichtungen an einem Ort zu bündeln. Im Frühjahr 2022 soll der Umbau fertig sein. „Das Lernwerk ist architektonisch sehr spannend“, unterstreicht Bürgermeister Kerkhoff. „Die Kombination aus dem alten Klinker und neuen Elementen wie dem Betonwürfel sowie die Stoffbespannung der Fassade, die später noch folgen wird, schafft eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.“

Gemeinsame Gesellschaft von Wohnbau und Sparkasse Westmünsterland eG

Das Nordareal an der Don-Bosco-Straße wird gemeinsam von der Wohnungsbaugenossenschaft Wohnbau Westmünsterland und der Sparkasse Westmünsterland eG entwickelt. Dazu haben die beiden Institutionen eine gemeinsame Gesellschaft gegründet, die Stadt + Quartier GmbH. Als Geschäftsführer wurden Uwe Schramm und Dr. Stefan Jägering bestellt. Die Wohnungsbau-genossenschaft und die Bank gehen von einem Investitionsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro aus, wie die Sparkasse Ende Februar bekannt gab.

Durch die Stadt + Quartier werden auf dem Kubaai-Gelände rund 450 Wohnungen entstehen, davon bis zu 50 Prozent im öffentlich geförderten Bereich. Außerdem wird auf dem Areal eine Kita mit vier Gruppen projektiert. Die Stadt + Quartier tritt dabei ausschließlich als Bestandshalter ohne Verkaufsinteresse auf. Ende 2020 haben die Gesellschaft und die Stadt Bocholt den städtebaulichen Vertrag unterschrieben. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2021 sollen das Bauleitverfahren sowie die Standortaufbereitung inklusive Abriss forciert werden, so die Sparkasse. Außerdem wurde festgelegt, dass die Stadt Bocholt entlang des Grundstücks eine Uferpromenade realisiert. Das Aa-Ufer wird in diesem Bereich erweitert und renaturiert. Außerdem sollen Spundwände weichen und so Platz für Aa-Treppen geschaffen werden, die zum Verweilen einladen.

Ibena Green Campus

Für die Realisierung des „Ibena Green Campus“ auf dem Kubaai-Gelände führt die Stadt Bocholt aktuell nach zahlreiche Gespräche mit potenziellen Investoren. Eine politische Entscheidung soll es im Sommer geben. Der Entwurf für den Campus stammt ursprünglich von der List Develop Residential, die die Empfehlung für alle vier ausgeschriebenen Baufelder erhalten hatten. Die Nordhorner List-Gruppe zog sich jedoch aus dem Projekt zurück und die Stadtquartiere Bocholt GmbH sicherte sich die Planungsrechte. „Die städtebaulichen Zielvorstellungen haben sich also nicht geändert“, erklärt Stadtbaurat Zöhler. Auf dem Ibena Green Campus sind rund 200 Wohnungen geplant, die sich auf Mehrfamilienhäuser, geförderten Wohnraum, betreutes Wohnen und eine Tagespflegeeinrichtung verteilen. Außerdem soll es Flächen für eine Kita, kleine Läden, Gastronomen und ein Parkhaus mit über 200 PKW-Stellplätzen geben.

Historische Eisenbahnbrücke

Vor kurzem wurde die historische Eisenbahnbrücke zwischen Theodor-Heuss-Ring und Aasee wieder an ihre alte Stelle platziert. Sie wurde in den vergangenen Monaten restauriert. Das 50 Tonnen schwere Bauwerk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts soll in Zukunft von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden können. Als Teil eines Radschnellweges gehört die Brücke außerdem zu einer innenstadtnahen Direktverbindung für mögliche Neubaugebiete nördlich der Aa. Passend ist am Theodor-Heuss-Ring eine „versunkene Brücke“ entstanden: Mit einem sogenannten Trogbauwerk wurde die vorhandene Brücke über der Bocholter Aa unterquert. Die versunkene Brücke wurde Anfang Mai freigegeben.

Podiumsbrücke

Schon im Dezember 2018 gab die Stadt darüber hinaus ein anderes markantes Stilelement auf dem Kubaai-Gelände frei: die Podiumsbrücke. Rund neun Monate hat der 2,4 Millionen Euro teure Bau gedauert. Die 47 Meter lange und 13 Meter breite Brücke verbindet die beiden LWL-Standorte in Bocholt, also das Textilmuseum und das Textilwerk. Sie gelten als kulturelle Ankerpunkte auf dem Areal und gehören zur europäischen Route der Industriekultur. Auch die Podiumsbrücke erinnert an die industrielle Vergangenheit des Kubaii-Geländes: Sie ist aus Cortenstahl gefertigt, der optisch an Rost erinnert. In Zukunft soll die Brücke auch für Veranstaltungen und Events genutzt werden.

Spielplatz erinnert an Textilindustrie

Auf einem ehemaligen Bolzplatz in der Nähe der Podiumsbrücke ist außerdem ein ungewöhnlicher Spielplatz entstanden: Er stellt einen Bezug zu den Spuren der Textilindustrie her und ist ein Kooperationsprojekt der Kubaai-Planer, des städtischen Jugendamts, des Textilmuseums und der Overbergschule mit Vertretern des Schulträgers Kreis Borken. Ein besonderes Highlight sind die sogenannten Yalp-Memo Spielsäulen. Bei dem interaktiven Spiel werden von einer Säule in der Mitte Fragen gestellt, die möglichst schnell beantwortet werden müssen. Die richtige Lösung ist auf einer der sechs anderen Säulen zu finden. So fördert das Spiel gleichzeitig die Bewegung und fordert die Kinder heraus. Weitere Spielgeräte – allesamt Sonderanfertigungen – greifen die textile Vergangenheit des Geländes auf. Es gibt zum Beispiel Federwippen aus Holz, die an Webschiffchen erinnern oder ein Seil-Klettergerüst, das wie ein Webstuhl aussieht. Die rot-weiße Laufbahn aus Kunststoff wiederum ähnelt einer ausgerollten Stoffbahn. Ein Kletterturm erinnert an eine Garnspule. Eine zusätzliche Brücke in die Vergangenheit schlagen die gusseisernen Säulen, mit denen der Spielplatz gesäumt ist. Sie stammen aus dem Fundus des Textilmuseums und standen früher in der ehemaligen Spinnerei C. Cramer & Co. in Heek.

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