Einiges in Bewegung

Innenstadtentwicklung

Die neue Gastromeile lockt die Menschen an. (Foto: Stefan Fietz)
Die neue Gastromeile lockt die Menschen an. (Foto: Stefan Fietz)

In Borkens Innenstadt ist aktuell einiges in Bewegung: Neue Einzelhändler und Gastronomen öffnen ihre Türen, ein Zentrenmanagement wurde angestoßen und die Innenstadt soll besser gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet werden. Außerdem gibt es einige bauliche Veränderungen, zum Beispiel an der Mühlenstraße.

 

Wie zahlreiche Kommunen hat auch Borken Fördermittel über das „Sofortprogramm zur Belebung der Innenstädte“ des Landes NRW erhalten. Es soll Städte und Gemeinden dabei unterstützen, die Innenstädte fit für die Zukunft zu machen. Borken hat sich auf zwei Projekte fokussiert: die Anmietung von Leerständen und die Etablierung eines Zentrenmanagements. Ziel des ersten Projekts ist es, eine neue Nutzung für leerstehende Immobilien in der Innenstadt zu finden. Mit einem Mietzuschuss greifen das Land NRW und die Stadt den neuen Mietern für zwei Jahre unter die Arme. Und das funktioniert so: Der Eigentümer der Immobilie darf nur 70 Prozent der Letztmiete für seine Räumlichkeiten verlangen, zum Beispiel 700 statt 1.000 Euro. Zu diesem Preis mietet die Stadt Borken die Gebäude an und vermietet sie an den Interessenten weiter. Der Interessent wiederum muss nur 20 Prozent der Letztmiete zahlen, also 200 Euro. Die Differenz von beispielsweise 500 Euro gleicht das Förderprogramm aus. 90 Prozent übernimmt das Land, zehn Prozent die Stadt Borken.

Neuansiedlungen gelungen
Über diesen Ansatz wurden bereits sieben neue Einzelhändler und Gastronomen gefunden, die ein Ladenlokal in der Borkener Innenstadt eröffnen. Dazu gehören zum Beispiel ein vietnamesisches Restaurant und eine Bistronomie. Jeder der neuen Gastronomen bietet auch Sitzplätze im Außenbereich an. So hat das vietnamesische Restaurant am Marktplatz eröffnet und dort auch Sitzmöglichkeiten geschaffen. Außerdem entsteht an der Mühlenstraße ein Concept Store: Mieterin Ina Grave eröffnet dort ein Atelier und wird handgemachte Papeterie sowie Schmuck, Mode und Produkte kleinerer Labels vertreiben. Auch ein Heimat- und Regionalladen wird in der Borkener Innenstadt entstehen. 
Darüber hinaus hat in der Kreisstadt das erste Schachstübchen in der Region seine Türen geöffnet. Im Neutor-Viertel im ehemaligen Reisebüro Westmünsterland soll das Café „Zugzwang“ ein Treffpunkt für alle Generationen sein. Dort können Gäste bei Getränken und Kuchen Schach spielen und sich austauschen. Ob jemand schon Schach-Profi ist oder noch nie eine Partie gespielt hat, ist dabei ganz egal. Gründerin Karin Knop wird künftig auch Schachkurse oder Olympiaden organisieren und Schachbretter, Lehrbücher sowie weiteres Zubehör verkaufen. Sie spielt selbst auf Zweitliganiveau und hat schon seit vielen Jahren einen Schachtrainerschein. „Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken waren enorm positiv“, betont Wirtschaftsförderin Lisa Stegger. „Wir freuen uns, dass diese Idee so gut angenommen wird. Insbesondere bei jungen Menschen traf die Nachricht von der Eröffnung des Schachstübchens auf Begeisterung.“ Das Café könne auch als Anlaufpunkt für neue Bürgerinnen und Bürger dienen, um Kontakte zu knüpfen. 

Zentrenmanagement angestoßen
Im Rahmen des NRW-Förderprogramms zur Belebung der Innenstädte hat die Wirtschaftsförderung außerdem ein Zentrenmanagement angestoßen. Dazu hat die Stadt 100.000 Euro Fördermittel erhalten. Das externe Planungsbüro „Büro Stadt und Handel“ aus Dortmund setzte sich in der Ausschreibungsphase gegen drei Mitbewerber durch und erhielt den Auftrag, gemeinsam mit den Akteuren der Innenstadt sowie den Borkener Bürgerinnen und Bürgern neue Konzepte für die Innenstadt zu entwickeln. Das Projekt läuft in diesem Sommer an und endet 2023. „Die Corona-Pandemie hat noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig Digitalisierung auch für Einzelhandel und Gastronomie ist“, betont Wirtschaftsförderin Julia Ohters. „Vor diesem Hintergrund und weil sich Innenstädte aktuell in einem starken Wandel befinden, wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie wir unsere Innenstadt fit für die Zukunft machen. Es geht darum, ein Wohlfühl- und Verweilambiente zu schaffen.“ Das Credo sei weiterhin, Individualismus zu fördern und vor allem kleine Geschäfte mit kreativen Ideen zu unterstützen. „Außerdem wollen wir großstädtischer denken“, erklärt Ohters. „Das Marketing für die Borkener Innenstadt kann mehr Pfeffer vertragen. Der Münsterländer ist marketingtechnisch eher zurückhaltend und vorsichtig. Das wollen wir ändern.“ Die beiden Wirtschaftsförderinnen wünschen sich, in Borken mehr auszuprobieren und zum Beispiel Konzepten wie Pop-up-Stores eine Chance zu geben. „Wir wollen unserer Funktion als Mittelzentrum gerecht werden und urbane Strukturen in Borken etablieren“, verdeutlicht Ohters.

Gastronomiemeile etabliert
Durch das Engagement von fünf Gastronomiebetrieben ist in Borken außerdem ein neuer Treffpunkt entstanden: eine Gastronomiemeile. Gemeinsam sperren die Betreiber nach Ladenschluss die Heilig-Geist-Straße ab, stellen Stühle und Tische auf und organisieren Livemusik. Das Konzept wird so gut angekommen, dass ein versenkbarer Poller an der Heilig-Geist-Straße installiert wurde, um die Gastronomiemeile dauerhaft zu erhalten. Der Poller wird nach Ladenschluss und am Wochenende hochgefahren. „Mit ganz einfachen Mitteln haben die Gastronomen eine Menge erreicht“, freut sich Wirtschaftsförderin Ohters. „Ähnliche Projekte wollen wir in Borken weiter ausbauen.“ So wird eine weitere Gastronomiemeile an der Marktplatzumfahrung entstehen.

Klimaresilienz stärken
Die Stadt Borken nimmt neben der Belebung ihres Zentrums auch den Klimaschutz in den Fokus. Mit dem NRW-Förderprogramm „Klimaresiliente Kommunen“ werden Städte und Gemeinden dabei unterstützt, ihre Innenstädte gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Im Zuge der Klimaerwärmung heizen sich Städte weiter auf und es braucht innovative Ansätze, um dem entgegenzuwirken: zum Beispiel über eine helle Pflasterung, Wand- und Dachbegrünung oder Bäume. Die Stadt Borken nimmt an dem Förderprogramm teil und wird unter anderem ein Fontänenfeld auf dem Marktplatz installieren, das gleichzeitig als Spielfeld für Kinder dient und zur Abkühlung beiträgt. Außerdem wird die Stadt bewegliche Bäume anschaffen. „Das sind Bäume in großen mobilen Kübeln, die an verschiedene Stellen gesetzt werden können, ganz nach Bedarf“, erklärt Wirtschaftsförderin Stegger. „So sind sie bei Veranstaltungen nicht im Weg und können dort Schatten spenden, wo sie gerade benötigt werden.“ Darüber hinaus werden in der Stadt sogenannte Citydecks verteilt. Die modularen Sitz- und Liegeflächen aus Holz sollen zum Verweilen einladen. Auch Handylademöglichkeiten über ein Solarpanel gibt es dort. „Flower Towers“, also Pflanzkübel mit Blumen, sollen für farbliche Akzente und ein gutes Klima in der Innenstadt sorgen. 

Umbauprojekte vorantreiben
In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Umbauten in der Borkener Innenstadt umgesetzt. Aktuell laufen die Arbeiten an einer Großbaustelle an der Mühlenstraße. Das Areal dort gilt als wichtiges Einfallstor in die Innenstadt. Die Gewässerumlegung, der Bau einer neuen Brücke sowie eines Kreisverkehrs sind bereits abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt umfasst den Neubau des Stauwehrs, die Fischtreppe mit neuer Fuß- und Radwegbrücke am Wehr an der Mühlenstraße sowie eine neue Fußgänger- und Fahrradbrücke im Park. Im dritten Bauabschnitt werden Freianlagen mit Aufenhaltsmöglichkeiten an den Uferzonen entstehen.„So entsteht direkt am Wasser ein schöner Treffpunkt für die Borkener Bürgerinnen und Bürger und für Gäste von außerhalb“, betont Wirtschaftsförderin Ohters. Die Kosten für das gesamte Projekt liegen bei rund 16,5 Millionen Euro. 9,1 Millionen Euro trägt die Stadt Borken, das Land NRW fördert den Umbau mit insgesamt rund 7,48 Millionen Euro. Das gesamte Projekt wird voraussichtlich im November 2022 abgeschlossen werden.

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