Existenzgründung will auch steuerlich gut durchdacht sein

Das Interesse am Thema „Existenzgründung“ ist nach wie vor groß, gute Ideen sind vorhanden. Dass der Weg in die Unternehmerschaft aber auch steuerlich sehr gut durchdacht sein will, weiß Steuerberater Reinhard Lohmann von der Kanzlei Heisterborg & Partner aus Stadtlohn. Für Wirtschaft aktuell fasst er zusammen, worauf Gründer schon achten sollten, bevor sie die ersten Schritte machen.

Vor dem Sprung in die Selbstständigkeit sollte man sich gut informieren.
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Jeder Existenzgründer widmet sich mit vollem Elan der Umsetzung seiner Geschäftsidee am Markt. Vor dem eigentlichen Unternehmensstart sollte er sich aber sinnvollerweise mit dem Thema Steuern beschäftigen. Es empfiehlt sich, mithilfe eines Steuerberaters zu klären, welche steuerlichen Auswirkungen beispielsweise die Wahl einer bestimmten Rechtsform (Personenunternehmen, Kapitalgesellschaft) hat. Zunächst einmal ist ein Existenzgründer verpflichtet, den Beginn seiner Erwerbstätigkeit der zuständigen Kommune mitzuteilen. Dies gilt für alle Gewerbebetriebe (§ 138 AO). Eine freiberufliche Tätigkeit muss jedoch lediglich beim zuständigen Finanzamt angemeldet zu werden, weil diese Tätigkeit nicht der Gewerbesteuer unterliegt.

Konfrontiert wird der Existenzgründer grundsätzlich mit folgenden Steuerarten: Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer. Abhängig von der Rechtsform ist hinsichtlich der Besteuerung von Unternehmensgewinnen zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften zu unterscheiden.

Bei Personenunternehmen unterliegen Gewinne beim jeweiligen Unternehmer oder Personengesellschafter direkt der Einkommenssteuer mit einem progressiven Tarif. Bei Kapitalgesellschaften unterliegt ein Gewinn zunächst auf der Ebene der Gesellschaft der Körperschaftssteuer mit linear 15 Prozent zuzüglich dem Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent. Bezüge des Gesellschafters, die er aus der Gesellschaft in Form von Dienstleistungsvergütungen oder Gewinn-dividenden erzielt, muss er dann noch einmal auf seiner persönlichen Ebene der Einkommenssteuer unterwerfen.

Sowohl Personenunternehmen als auch Kapitalgesellschaften müssen ihre Gewinne zunächst der Gewerbesteuer unterwerfen. Steuerliche Pflichten begleiten den Unternehmer während der gesamten Lebensdauer seines Unternehmens: Tätigt er umsatzsteuerpflichtige Umsätze, so ist regelmäßig eine Umsatzsteuervoranmeldung (vierteljährlich, monatlich) beim Finanzamt einzureichen sowie einmal jährlich eine Umsatzsteuerjahreserklärung. Eine Gewerbesteuererklärung, eine Körperschaftssteuererklärung oder eine Einkommenssteuererklärung ist einmal jährlich dem zuständigen Finanzamt einzureichen. Für die Bereiche Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer und Einkommenssteuer sind vierteljährliche Vorauszahlungen als Abschlag auf die endgültige Jahressteuer zu entrichten. Werden Arbeitnehmer beschäftigt, ist der Unternehmer als Arbeitgeber verpflichtet, die Lohnsteuerabzugsbeträge der Arbeitnehmer zu ermitteln und im sogenannten Lohnsteueranmeldungsverfahren dem Finanzamt zu melden und zu zahlen.

Fazit:
Selbst die kurze Ausführung zeigt bereits die Komplexität der Materie. Der Existenzgründer ist gut beraten, sich diesbezüglich professionelle Hilfe zu holen, damit er sich schwerpunktmäßig auf sein eigenes operatives Geschäft konzentrieren kann.
 

Von Reinhard Lohmann Freitag, 3. Februar 2012