August 5, 2020

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Wann kommt das Digitalministerium?

Kommentar

Stadtlohn/Osnabrück - „Den digitalen Lippenbekenntnissen in Deutschland müssen endlich Taten folgen.“ Das forderte Professor Dr. Tobias Kollmann, Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen, und Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, jetzt bei einer Veranstaltung des Bundesverbandes der Dienstleistungsunternehmen in Osnabrück. In seinem Kommentar für Wirtschaft aktuell bezieht Christoph Almering, Journalist, Publizist und Geschäftsführer der Social-Media-Agentur web-kon, Stellung.

Wie digital sind die Unternehmen in Deutschland wirklich unterwegs?
Foto: Fotolia/violetkaipa

Kollmann gilt als führender Kopf, wenn es um die Digitale Transformation in der deutschen Wirtschaft geht, und er hat klare Vorstellungen davon, wie wir diesen Prozess massiv beschleunigen können. Er wird nicht müde, ein Digitalministerium zu fordern und Deutschland zu ermutigen, endlich das digitale Zeitalter in unsere Schulen zu holen. Vor allem aber gehört es in die Unternehmen. Deutschland hinkt hinterher. Viele Unternehmen bekräftigen zwar immer wieder, wie sehr sie sich doch auf den Weg ins digitale Zeitalter gemacht haben, aber allzu oft belügen sie sich selbst.

Kollmann hat es zuletzt bei der Veranstaltung des Bundesverbandes der Dienstleistungsunternehmen in Osnabrück auf den Punkt gebracht: „Den digitalen Lippenbekenntnissen in Deutschland müssen endlich Taten folgen.“ Recht hat er. Selbst Konzerne verpassen hier den Anschluss, und das kann sich dramatisch auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Besonders aber der Mittelstand muss sich in Acht nehmen, denn die wirtschaftliche Stärke des Standorts Deutschland, die sich in der Tat zuallererst über unseren enorm starken Mittelstand definiert, ist nicht in Stein gemeißelt. Und die ungezählten Weltmarktführer aus Deutschland stammen schon heute alle ausnahmslos aus der Old Economy. Einen Weltmarktführer im E-Business haben wir nicht. Auch ein Beleg dafür, dass die ersten Züge ohne Deutschland abgefahren sind.

Vielen Unternehmen mangelt es bei der Frage nach der Digitalen Transformation ihres Betriebes an der Fähigkeit, den Sinn des Wandels aus Kundensicht zu erkennen. Während Amazon zum Beispiel schon jetzt darüber nachdenkt, wie es den Lebensmittelmarkt auf digitalem Wege erobern kann, hinken die heimischen Big Player von Edeka bis Tengelmann hinterher. Dabei ist klar, dass die Kunden selbst in diesem – für viele heute noch undenkbaren – Bereich am Ende des Tages den Weg wählen werden, der für sie der komfortabelste und günstigste ist. Und wenn die Frischmilch, die Marmelade und der Käse von Amazon innerhalb kürzester Zeit ins Haus gebracht werden und die Ware auch entsprechende Qualität hat, dann entscheidet sich der Kunde möglicherweise gegen den alten und für den neuen Anbieter. Nicht weil das Angebot des einen oder anderen so viel besser wäre, sondern weil einer der Anbieter weiß, was der Kunde will, und weil dieser Anbieter auch weiß, wie er den Kunden am schnellsten und am besten erreicht, versorgt, verwaltet, betreut – so, wie es der Kunde am liebsten hat. Und was für Edeka gilt, gilt auch für viele andere Branchen und Betriebe. Im B2C-Bereich sowieso, aber immer stärker auch im B2B-Bereich, wo Kundenbeziehungen vom Marketing über Lieferabwicklungen bis zum gesamten Dokumenten- und Adressmanagement umso besser funktionieren, je besser und effizienter sie verwaltet werden. Und das ist auf dem digitalen Weg.

Die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor zu zögerlich, die Unterstützung durch die Politik ist allerdings auch noch viel zu schwach ausgeprägt. Hier und da ein Förderprogramm, um irgendwann mal an einer weiteren Stelle im Land schnelles Internet anzubieten, reicht nicht. Deutschland braucht auch politisch kräftigen Rückenwind für die Digitale Transformation unserer Wirtschaft, unterfüttert mit klaren Förderkonzepten, insbesondere was die Unterstützung von Start-up-Unternehmen und die Förderung von innovativen Ideen und Konzepten betrifft.

Kollmann hat recht: Ein Digitalministerium muss her! Das Thema teilen sich bislang das Innen-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Bildungsministerium mehr schlecht als recht untereinander auf. Aber wir brauchen ein Ressort, das sich allein dieses Themas annimmt, weil es für die Zukunft unseres Standorts Deutschland unverzichtbar ist. Auch Verkehrsminister Dobrindt hat das zuletzt selbst bekräftigt und die Aufgabenfelder schon klar umrissen: Das neue Ministerium soll zuständig sein für Themen wie Gigabit-Infrastruktur, die Vernetzung aller Dinge, die sogenannte Industrie 4.0, das automatisierte Fahren, selbst für die digitale Bildung und in der Folge für die Förderung junger Unternehmen in diesem Bereich.

Es ist Wahljahr. Die Politiker reisen gerade durch die Lande und machen Werbung. Die ideale Gelegenheit für die Vertreter aus Wirtschaft und Bildung, nachzufragen, wann es denn kommt: das Digitalministerium.

Mittwoch, 8. Februar 2017
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