May 21, 2019

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Handschlaggedanken statt Ellenbogenmentalität

Bocholt - 7 Uhr. Frühstückszeit für 65 Unternehmensvertreter aus Bocholt und Umgebung – zugleich Businesszeit. Denn diese Entscheider sitzen nicht nur zusammen, um gemeinsam zu essen, sondern um Geschäfte in die Wege zu leiten. Unter dem Dach des „Business Network International“ (BNI) haben sie sich zum Chapter „Euregio“ zusammengeschlossen und treffen sich künftig wöchentlich zum Austausch. Zu den beiden Gründungsveranstaltungen in Bocholt im Restaurant Filetgran kamen jeweils rund 120 Gäste.

Die Mitglieder des BNI-Chapters Euregio
Foto: Wittenberg

Das BNI zählt weltweit zu den größten Unternehmer-Netzwerken. Rund 9.000 Mitglieder haben sich in Deutschland in verschiedenen regionalen Gruppen – sogenannten Chaptern – zusammengefunden, um gegenseitig Kontakte weiterzuvermitteln und somit zusätzlichen Umsatz zu generieren. 2017 setzten die Mitglieder rund 618 Millionen Euro durch ihr Empfehlungsmarketing um. „Dabei agieren wir nach dem Motto: Wer gibt, gewinnt. Wir wollen weg von der Ellenbogenmentalität hin zu einem gemeinsamen Miteinander mit Handschlaggedanken. Jeder Unternehmer verfügt über 300 bis 1.000 Kontakte in seinem Umfeld – das ist ein enormes Potenzial, das wir nutzen wollen“, betont Michael Bühren, Exekutivdirektor der BNI-Region Nord-West.

In der Praxis funktioniert das so: Während des gemeinsamen Frühstücks hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich und seine Dienstleistung vorzustellen. Max-imal 30 Sekunden lang, kurz und knapp. „Das ist eine gute Gelegenheit zu lernen, sich und seine Leistungen auf den Punkt zu bringen. Es gilt, im Gedächtnis zu bleiben und damit einen ersten Anker für erfolgreiches Netzwerken zu setzen. Denn nur, wenn klar ist, was der potenzielle Geschäftspartner macht, kann sich überhaupt erst ein Geschäft anbahnen“, betont Bühren.

Stellten das BNI-Netzwerk vor: Michael Bühren (links) und Andreas Kirchberg
Foto: Wittenberg

Chapter-Direktor Andreas Kirchberg ergänzt, dass es dabei um weit mehr als Vorstellen und Visitenkarten tauschen geht: „Gute Geschäfte lassen sich nur dann machen, wenn eine Vertrauensbasis vorhanden ist. Nur wenn ich mit meinem Gegenüber auf einer Wellenlänge bin und ihm vertraue, kann ich ernsthaft eine Empfehlung für ihn aussprechen. Es geht um strategischen Vertrauensaufbau, nicht um Kontaktevermittlung auf Provisionsbasis oder anonymes Speeddating.“ Vor diesem Hintergrund lege BNI auch großen Wert auf Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit. Alle Mitglieder sollten deshalb zu jedem Treffen erscheinen und sich vorstellen, oder einen Vertreter schicken. „Dadurch, dass die Veranstaltung um 8.30 Uhr endet, lässt sich das Treffen auch gut in den Unternehmensalltag integrieren“, so Kirchberg. Jede Branche und jedes Gewerk ist jeweils nur einmal durch ein Mitglied vertreten. „Aktuell suchen wir noch Vertreter für den Bereich Dachdecker, Kfz-Gutachter und Raumausstatter sowie aus dem Gesundheitssektor. Gäste aller Branchen sind aber grundsätzlich immer willkommen“, erklärt der Chapter-Direktor. Die Mitgliedschaft endet automatisch nach einem Jahr. Dann entscheidet der Mitgliederausschuss über eine Fortsetzung der Teilnahme. „Dadurch erhöhen wir den Ansporn, dass sich jedes Mitglied auch wirklich einbringt und ernsthaft Kontakte vermittelt“, erläutert Exekutivdirektor Bühren.

Das Bocholter Chapter – aktuell das größte im deutschsprachigen Raum – hat durch diese Strategie schon nach den ersten acht Meetings vor der offiziellen Gründung rund 75.000 Euro Umsatz gemacht. „Das Netzwerk ist sehr gut angelaufen“, freut sich Kirchberg. Auch in Borken und Ahaus haben sich vor einigen Jahren BNI-Chapter gebildet. Als Konkurrenz sehen sich die benachbarten Netzwerke aber nicht. „Im Gegenteil. Wir profitieren auch von Kontakten, die Chapter-übergreifend entstehen“, betont Kirchberg.

Von Anja Wittenberg Dienstag, 12. März 2019
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