August 11, 2020

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Agravis: Vorsteuer-Minus durch Kartellbuße

Mit einem Vorsteuerergebnis von minus 20,5 Millionen Euro (Vorjahr: plus 30,4 Millionen) rutschte die Bilanz der Agravis Raiffeisen eG 2019 in den deutlich negativen Bereich. Grund ist eine Kartellbuße von 43,7 Millionen Euro, die der Agrarhändler begleichen musste.

Foto/Quelle: Agravis

„Ganz bewusst haben wir uns nach umfangreicher juristischer Analyse und in voller Übereinstimmung mit dem Aufsichtsrat Ende 2019 dazu entschieden, das Kartellverfahren wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen im Pflanzenschutz außergerichtlich und einvernehmlich zu beenden. Diese Einigung war mit einer Bußgeldzahlung in Höhe von 43,7 Millionen Euro verbunden. Diese Summe ist schmerzlich“, erklärte Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff das Minus beim Ergebnis vor Steuern. Er betonte allerdings auch, dass Agravis solide aufgestellt sei und über Reserven sowie eine ausreichende Eigenkapitalausstattung verfüge. „Das Bußgeld ist mit dem Geschäftsabschluss 2019 vollständig verarbeitet. Der Schlussstrich ist gezogen,“ so der Finanz-Vorstand. Trotz des negativen Ergebnisses und des zweiten Dürrejahrs in Folge blickt der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckle positiv auf das Geschäftsjahr 2019 zurück: „Wir haben unser geplantes Umsatzziel erreicht und sind solide im Markt unterwegs“, bilanzierte der Vorstandschef. Im vergangenen Jahr erzielte der Agrarhändler einen Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,6 Milliarden Euro).

Die Umsatzentwicklung war in den fünf Geschäftsfeldern von Agravis im vergangenen Jahr unterschiedlich: Im Geschäftsfeld „Pflanzen“ sank der Produktumsatz um Vergleich zu 2018 um 3,5 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. „Das in weiten Teilen trockene Jahr wirkt sich hier besonders aus“, erklärte Schulte-Althoff. Rückläufig waren auch die Zahlen im Bereich „Technik“: 868 Millionen Euro erwirtschaftete Agravis in 2019, das sind 8,2 Prozent weniger als 2018. Der Finanzvorstand blickt trotzdem zuversichtlich nach vorne: „Durch die geringe Investitionsbereitschaft waren vor allem der Neu- und Gebrauchtmaschinenvertrieb unter Druck. Aber der gute Auftragsvorlauf zum Jahresende deutet eine Trendwende an.“
Ein Umsatzplus verzeichnete Agravis hingegen in den Segmenten „Tiere“, „Märkte“ und „Energie“. Im Vergleich zu 2018 stieg der Umsatz im Bereich „Tiere“ um 0,7 Prozent auf etwa 1,3 Milliarden Euro. „Unser Fokus lag auf der Absicherung unserer eigenen Produktionskapazitäten“, erläuterte Schulte-Althoff. „Deshalb haben wir unter anderem die genossenschaftliche Zusammenarbeit mit den Mischfutterwerken ausgeweitet“. Im Geschäftsfeld „Märkte“ stieg der Produktumsatz um 2,8 Prozent auf 293 Millionen Euro. Wachstumstreiber waren vor allem die Terres-Kooperation sowie die Neuorganisation der Baustoffsparte. Auch im Segment „Energie“ stieg der Umsatz um 1,1 Prozent auf etwa 1,25 Milliarden Euro. „Dieses Plus haben wir durch den höheren Mengenabsatz bei Heizöl und Diesel, das Wachstum beim Vertrieb von Holzpellets sowie den Ausbau unseres Projektgeschäfts im Tankstellensegments erzielt“, verdeutlichte Schulte-Althoff.
Im laufenden Jahr wird Agravis die drei bisher eigenständigen Vertriebsgesellschaften Agravis Mischfutter Westfalen, Agravis Mischfuter Emsland und Agravis Futtermittel Rhein-Main zum 1. April 2020 zur Agravis Mischfutter West zusammenführen. „Der Markt für Mischfutter und Spezialfutter ist geprägt von Überkapazitäten. Darüber hinaus wissen wir, dass die Tierzahlen nicht weiter steigen, sondern eher sinken werden, und wir wissen, dass der Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten in den kommenden Jahren rückläufig sein wird. Darauf müssen wir uns frühzeitig einstellen“, erklärte Vorstandschef Köckler. Außerdem sollen in 2020 über zehn Millionen Euro in die Digitalisierung investiert werden.  „Dabei sind wir offen für Kooperationen mit den Genossenschaften, um Portallösungen für die landwirtschaftlichen Kunden entwickeln zu können“, so der Vorstandsvorsitzende.

Für 2020 erwartet Agravis ein Ergebnis vor Steuern von 30,2 Millionen Euro. Das sei trotz des negativen Ergebnisses in 2019 durchaus realistisch, wie Schulte-Althoff auf Nachfrage von Wirtschaft aktuell unterstrich. Gedämpft wird die generelle Zuversicht bei Agravis aber durch die Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie. „Corona ist natürlich auch für uns neu und eine Herausforderung mit noch offenem Ausgang. Die klaren Weichenstellungen durch die Trennung von Arbeitsbereichen und die Nutzung von Homeoffice-Lösungen helfen uns, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang, aber mit deutlich erhöhtem Aufwand fortzuführen“, machte Köckler klar. „Wir wollen und müssen jetzt in erster Linie unserem Versorgungsauftrag nachkommen.“ Agravis versuche, mit erheblichen Mehrkosten aufwendige Logistikketten aufrechtzuerhalten, und setze auf die Entschädigungszusagen der Politik. „Welche Folgen die Corona-Pandemie dann am Ende für die regionale, nationale und sogar weltweite Wirtschaft haben wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Sie zwingt uns, Dinge neu zu denken und umzusetzen – und auch die regionale Lebensmittelerzeugung wieder in den Fokus zu rücken“, bewertete Köckler die aktuelle Situation. 


 

Von Julia Schwietering Freitag, 27. März 2020
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