
Aktienmarkt - Rückblick:
Während des abgelaufenen Monats Oktober setzte sich die Erholung der Weltaktienmärkte fort. Dabei verfestigte sich jedoch die divergente Entwicklung von Aktienindices aus etablierten Industrienationen vs. solcher, die das Aktienmarktgeschehen der Emerging Markets beschreiben: Die führenden Börsenindices etwa Brasiliens, Chinas und Indiens vermochten zeitgleich mit neuen Jahreshöchstständen ihre zu Beginn der Finanzmarktkrise erreichten Niveaus zu überbieten. Demgegenüber konnten die G3 Aktienindices (Nordamerika, Europa, Japan) lediglich wieder ihren Stand vom Mai dieses Jahres erreichen, als die europäische Staatsschuldenkrise ihre Ausweitung erfuhr. Eine wesentliche gemeinsame Ursache dieser unterschiedlich stark ausgeprägten Kursbewegungen liegt in der anhaltenden, durch die globalen Notenbanken gesteuerten Liquiditätsausweitung.
Aktienmarkt - Ausblick:
Die Konjunkturentwicklung in den USA wird von einer Mehrheit der Marktteilnehmer mit zunehmender Besorgnis gesehen. Nach starkem Jahresauftakt hat sich das reale Wachstum in diesem wichtigsten der großen Wirtschaftsräume stetig vermindert und erreicht derzeit noch circa zwei Prozent p. a. Die hartnäckig hohe Arbeitslosenquote mit mehr als neun Prozent beeinflusst das für den Konsum so wesentliche Sentiment („Feel-Good-Factor“) negativ und beeinträchtigt das Wachstumspotential. Die Lähmung der japanischen Binnenmarktkräfte lässt dort erneute Befürchtungen bevorstehender Deflation aufkommen und perpetuiert die schwache japanische Konjunkturentwicklung. Die Entwicklung in Europa ist von großer Ungleichmäßigkeit geprägt, stehen doch hier sich gut entwickelnde Volkswirtschaften wie die deutsche solchen gegenüber, die von den Auswirkungen von Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise überdurchschnittlich stark betroffen sind (Griechenland, Spanien u.a.m.).
Nach den soeben vollzogenen Wahlen zu beiden Häusern des US amerikanischen Kongresses wird deutlich, dass künftig eine noch größere Last auf den Schultern der internationalen Notenbanken (allen voran der US amerikanischen Fed) liegen wird: Politische wie Schuldenstandsentwicklung machen es in den USA unwahrscheinlicher, dass die Konjunkturschwäche fiskalpolitisch bekämpft werden kann. Damit entfallen auch Impulse für die Weltwirtschaft, die diese üblicherweise über Transmissionsmechanismen erreichen. Konjunkturimpulse können demnach im Weiteren nur noch aus der Gestaltung der Geld- und Kreditpolitik der Notenbanken erwachsen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Fed ihre als „QE2“ („mengenmäßige Lockerung – quantitative easing –, die Zweite“) bezeichnete Politik der Liquiditätsausweitung binnen kurzem intensivieren beziehungsweise erneuern. Schätzungen zufolge könnte die US-Notenbank im Rahmen dieser Politik auf zunächst unbestimmte Zeit Anleihenkäufe im Gegenwert von circa 100 Milliarden US-Dollar pro Monat initiieren. Die Bank of Japan praktiziert bereits seit Monaten ihre eigene Version von „QE2“ und die Europäische Zentralbank (EZB) kann in diesem Geschehen (mit Blick auf den Außenwert des Euro) kaum abseits stehen. Damit ist eine erneute Flutung der Weltwirtschaft mit Notenbankliquidität wahrscheinlich, die mit dem Ziel einer G3 bzw. Weltkonjunkturbelebung vorgenommen werden wird.
Fazit:
Die G3 Aktienindices könnten mit Blick auf das Jahresende von dieser Liquiditätsschwemme zumindest kurzfristig profitieren. Unsere mittelfristigen Kursziele: S&P500 Index: circa 920/ 1.250 Punkte, EURO STOXX 50 Index: circa 2.400/ 3.300 Punkte, DAX Index: circa 5.500/ 7.000 Punkte.
Ekkehard D. Link, CFA
Ltr. Portfolio Management
National-Bank AG
Der aktuelle Blick auf die Kurse
"Mr. Dax" Ekkehard Link, Jahrgang 1962, absolvierte zunächst eine Banklehre bei der Bankgesellschaft Berlin sowie ein BWL-Studium an der Technischen Universität. Danach folgte eine dreijährige Ausbildung zum Finanzanalysten (CFA-Programm). Sieben Jahre lang war er Leiter der Abteilung Kapitalmärkte Research der National-Bank aus Essen, heute ist er Leiter Portfolio Management.
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