
Aktienmarkt - der Wochenrückblick:
Nach dem kräftigen Anstieg in der Vorwoche, womit die weltweiten Aktienindizes ihre Rallye seit Ende Dezember fortsetzten, ebbte die Kauflaune an den letzten Tagen der vergangenen Woche ab. Das anhaltende Hickhack im Zusammenhang mit der Lösung der griechischen Schuldenprobleme dämpfte wohl die Stimmung, nachdem man zuletzt eine augenscheinlich erwartete vorläufige Rettung eingepreist hatte und dabei wohl auch spekulierte, dass sich damit die Lage bezüglich der Schuldenkrise in Europa insgesamt entspannt. Am Ende gab der Dax, der zwischenzeitlich über 6.800 Punkte auf ein neues Jahreshoch geklettert war, in der vergangenen Woche um 1,1 Prozent nach. Bezüglich der jüngsten heimischen Konjunkturdaten scheinen die negativen Auswirkungen der Sparzwangpolitik in Europa zur Haushaltskonsolidierung immer offensichtlicher zutage zu treten. Zudem verstärken sich die Indizien für die insgesamt erwartete wirtschaftliche Abschwächung. Beispielsweise war die Produktion im produzierenden Gewerbe im Dezember deutlich schwächer als erwartet. Und auch der deutsche Außenhandel, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, verlor zum Jahresende 2011 im Monatsvergleich deutlich an Schwung.
Aktienmarkt - ein Ausblick:
Mit den neuesten Nachrichten aus Griechenland scheint es zumindest am heutigen Montag vorerst an den Weltbörsen wieder nach oben zu gehen. In Athen haben in der Nacht zum Montag die Abgeordneten das Sparpaket mit der erforderlichen Mehrheit gebilligt, daraufhin ziehen Euro, die asiatischen Börsen und Rohstoffe wie Öl deutlich an. Besonders Finanztitel dürften von der Entspannung in der Griechenland-Krise profitieren. Die Zustimmung war Voraussetzung für die Freigabe der nächsten Tranche von Hilfsgeldern durch Internationalen Währungsfonds und EU-Kommissionund damit wesentlich für eine Vermeidung des Staatsbankrotts. Die Augen dürften sich nun auf den Mittwoch richten: Dann müssen die Finanzminister aus der Eurozone das zweite Sparpaket bewilligen. Dieses soll ein Volumen von 130 Milliarden Euro haben. Es mehren sich allerdings die Stimmen, die dieses für zu gering erachten. Daneben dürften auch die Verhandlungen zwischen den Gläubigerbanken und der griechischen Regierung wieder stärker in den Fokus rücken. Es scheint zwar grundsätzlich eine Einigung über einen Schuldenschnitt von 70 Prozent und Kuponzahlungen für die neuen Anleihen von 3,6 Prozent vorzuliegen.
Nach der sehr hohen Dynamik in den vergangenen Wochen halten wir es jedoch für wenig wahrscheinlich, dass die Aktienmärkte weiterhin – scheinbar ungebremst – nur eine Richtung kennen. Wir halten das aktuell erreichte Kursniveau aus fundamentaler Sicht für fair. So aussichtsreich die unmittelbaren weiteren Liquiditätsaussichten sein mögen, so unwahrscheinlich scheint uns eine längerfristige Fortsetzung des bisher beobachtbaren
Kursaufschwungs.
Auch von der Berichtssaison für das Schlussquartal 2011 erwarten wir keine nennenswerten
Impulse mehr für den Aktienmarkt. Knapp 60 Prozent haben ihre Ergebnisse inzwischen vorgelegt; und im Schnitt lagen die Gewinne um sechs Prozent höher als im Jahr zuvor. Dies bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass sich die Ertragsdynamik im Unternehmenssektor abschwächt, sodass die Weltbörsen von fundamentaler Seite zunächst keine Schützenhilfe mehr zu erwarten haben, während die Entwicklung der EU-Schuldenkrise die Börsenentwicklung nach wie vor maßgeblich bestimmen dürfte.
Christoph Bender ist Prokurist/Portfolio Management PrivateBanking bei der VR Bank Westmünsterland.
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