
„Hut ab, für diese Leistung! Beim Großen Preis des Mittelstandes schaffen es nur Unternehmen an die Spitze, die nicht nur in einem Bereich punkten, sondern die die Jury ganzheitlich überzeugen. Und das ist Ihnen gelungen“, betonte Klenke.
Beeindruckt zeigte sich der Regierungspräsident zudem aufgrund der Tatsache, dass neben Betebe noch zwei weitere Unternehmen aus dem näheren Umfeld den Sprung in den Finalistenkreis beim Großen Preis des Mittelstandes geschafft hatten: der Mediendienstleister Laudert, der seinen Hauptsitz keinen Kilometer entfernt von Betebe hat, und das Sanitärhandelsunternehmen Pietsch aus der Nachbarstadt Ahaus. „Mein Glückwunsch geht natürlich auch an diese Unternehmen. Ich habe mir sagen lassen, dass die Finalisten das Holz sind, aus dem später die Preisträger werden“, machte der Regierungspräsident in Richtung der ebenfalls anwesenden Vertreter der beiden Finalisten deutlich.
Einig war er sich mit Holtwisch und Zwicker, dass diese Bündelung der Preisträger auf vergleichsweise engem Raum sicher nicht „von ungefähr“ komme. Immerhin wurden allein in Nordrhein-Westfalen über 330 Unternehmen für den Wettbewerb nominiert. Dass es drei Unternehmen aus dem Münsterland unter die Top-Ten geschafft haben, liegt aus Sicht der Politiker vor allem an ihrer mittelständischen Ausrichtung. „Unternehmer wie Sie arbeiten mit Wertevorstellungen, die in größeren Konzernen leider immer öfter aus der Mode geraten: Sie verfolgen eine klare Strategie, Sie übernehmen Verantwortung – für Ihr unternehmerisches Handeln, aber auch für Ihre Mitarbeiter – Sie setzen auf Innovationskraft und Sie kümmern sich als Ausbildungsbetrieb selbst um Ihren Nachwuchs. Das alles macht den Mittelstand und das Münsterland so erfolgreich“, machte Klenke klar.
Dass es die Firma Betebe heute überhaupt gibt, ist, wie Geschäftsführer Ralf Bennink betonte, einem Zufall zu verdanken. Für einen bekannten Landwirt hatten er und seine heutigen Partner, Heinz Temminghoff und Antonius Bengfort, als Freundschaftsdienst ein erstes Stallsystem entwickelt. Die Idee, daraus ein Unternehmen zu machen, hatten die drei zunächst nicht. Erst als ein weiterer Landwirt sein Interesse an einer solchen Anlage äußerte, entstand der Plan, sich mit der Innovation und einem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen. „In den folgenden Jahren haben wir die Ursprungsinnovation dann ständig ausgebaut und noch weitere Produkte entwickelt. Die WFG hat uns dabei übrigens intensiv begleitet. Herr Raatgering (Anm. d. Red. Hermann-Josef Raatgering ist Innovationsberater der WFG) ist unser Dreh- und Angelpunkt, wenn es um Fördergelder für unsere Innovationen geht“, erklärte Bennink.
Seit der Gründung des Unternehmens vor zwölf Jahren ist Betebe ständig gewachsen. Aus den fünf Mitarbeitern der ersten Stunden ist bis heute ein 40-köpfiges Team geworden. Sorgen bereitet den Verantwortlichen jedoch der Fachkräftemangel. Nachdem das Unternehmen 2011 noch zwei Auszubildende eingestellt hat, gestalte sich die Suche im Laufenden Jahr deutlich schwerer. „Zwar haben wir schon einen Jugendlichen gefunden, der bei uns eine Lehre zum Schlosser machen will, einen Auszubildenden für den Bereich Mechatronik suchen wir aber immer noch händeringend“, gab Bennink zu Bedenken.
Einen Faden, den der Landrat gern aufnahm. Mit einer Arbeitslosigkeit von 2,2 Prozent in Vreden und den benachbarten Kommunen sei der Fachkräftemangel für viele Betriebe in der Region ein massives Problem, betonte Zwicker. „Das ist eine Herausforderung, der sich die WFG zurzeit mit Hochdruck stellt. Schließlich wollen wir das Unsrige dazu beitragen, dass der Kreis Borken so stark bleibt, wie er ist“, betonte Zwicker, der ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender der WFG ist.
Damit auch die Stadt Vreden so stark bleiben kann, wie sie zurzeit ist, ist aus Sicht des Bürgermeisters unter anderem eine Optimierung der Verkehrsanbindung notwenig. Deshalb nutzte er die Gelegenheit, beim Regierungspräsidenten für die Anbindung des Vredener Industriegebietes Gaxel an die Bundesstraße 70 zu werben. „Viele Unternehmen in Vreden und insbesondere in Gaxel sind europa- oder gar weltweit aktiv. Sie haben eine gewisse Größe erreicht und die Verkehrsinfrastruktur ist für diese Betriebe natürlich entsprechend wichtig. Ich werde daher sicher noch das eine oder andere Gespräch mit Ihnen, Herr Regierungspräsident, suchen“, kündigte Holtwisch abschließend an.