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„Auf moralische Gefühle ist kein Verlass“

Coesfeld - Es ist eine zentrale Frage der Philosophie: „Was ist Moral?“ – Seit Jahrhunderten versuchen Geisteswissenschaftler, mögliche Antworten zu finden. Dabei haben sich die Definitionen von Moral im Verlauf der Geschichte immer wieder verändert. Jemand, der eine zeitgenössische Erläuterung des Begriffes liefert, ist der Philosoph und Publizist Richard David Precht. Der Professor, der nach der Veröffentlichung seines Sachbuches „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ im Jahr 2007 bundesweit bekannt wurde, war jetzt Referent der Veranstaltungsreihe BankLive der VR-Bank Westmünsterland im Konzert Theater Coesfeld. Im Pressegespräch erörterte Precht Moral und ihre Wirksamkeit in Wirtschaft und Gesellschaft, die vermeintliche Fehlbarkeit des designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck und die Haftbarkeit in Konzernen sowie im Mittelstand.

Veranstalter, Moderatorin und Referent der Veransaltung BankLive 2012 im Coesfelder Konzert Theater: Georg Kremerskothen (Vorstandsmitglied VR-Bank Westmünsterland), Richard David Precht (BankLive-Referent), Juliane Hielscher (BankLive-Moderatorin), Dr. Wolfgang Baecker (Vorstandsvorsitzender VR-Bank Westmünsterland), Berthold te Vrügt (Bankdirektor VR-Bank Westmünsterland)
Foto: Menge

„Auf moralische Gefühle ist kein Verlass“, ging der Philosoph zunächst hart mit einer weitverbreiteten Vorstellung von Moral ins Gericht. „Da sich die meisten moralischen Appelle an die Gefühle richten, brauchen wir mehr moralische Regeln, die sich verstärkt an den Verstand richten“, so der Buchautor, der auch ein Beispiel für moralische Regeln für den Verstand anführte: „Menschen haben vielleicht ein komisches Gefühl, Steuern zu zahlen und machen das sicherlich nicht gerne. Dennoch müssen Bürger Steuern zahlen. Wichtig dabei ist nur, dass sie die Steuerlast gefühlsmäßig bejahen. Dabei ließe sich die Steuermoral durch ein paar psychologische Tricks verbessern. Zum Beispiel durch freundliches Auftreten der Finanzbeamten oder der Mitbestimmung beim Verwenden der Gelder. Gehen Steuergelder beispielsweise an Kindergärten, fühlen sich die Steuerzahler als edle Spender, obwohl sie das Geld eigentlich nicht freiwillig gegeben haben.“

Aus Prechts Sicht sind es dabei weniger staatliche oder gesellschaftliche Instanzen, die Moral schaffen. Denn die gäbe es ohnehin nicht mehr. Vorbilder für die Menschen existieren aus Prechts Sicht nur noch bedingt in einer transparenten Gesellschaft, da man viel über Prominente weiß. „Es ist schwer, ein Held zu sein. Selbst beim designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck hat man angefangen, genauer hinzuschauen und festgestellt, dass er einmal über die Anzahl der ehemaligen Stasi-Mitarbeiter in der Unterlagenbehörde gelogen hatte“, erklärte Precht.

Moral entstehe mittlerweile eher durch die aktive Beteiligung von Menschen im politischen oder gesellschaftlichen Leben als durch übergeordnete autoritäre Stellen. „Wenn ich mich einmische oder mitmache, finde ich die Tätigkeiten wertvoll, weil ich sie mache. Dann entsteht Moral durch die Selbstwirksamkeitskomponente“, beschrieb der BankLive-Referent. Deshalb wünschte er sich für eine Gesellschaft, dass es der „Normalzustand sei, sich freiwillig sozial zu engagieren. Und wer zu den wenigen gehört, die sich nicht für andere einsetzen, muss Gründe wie Krankheit oder ähnliches dafür haben.“ Auf die Frage, ob im Wirtschaftsleben Moral durch die Selbstverwirklichungskomponente entsteht, versuchte Precht ebenfalls eine Antwort zu finden: „Für den Mittelstand bin ich viel optimistischer als für die Konzerne. Inhaber oder Geschäftsführer eines Mittelstandsbetriebs haben ohnehin das Gefühl, sie sind für den ganzen Laden verantwortlich. Die Geschäftsführer der ganz großen Unternehmen hingegen sind nur wenige Jahre in einer Position, dann sind sie wieder woanders. Die langfristige Verantwortung, die Inhaber haben, gibt es bei Großkonzernen nicht. Das hat dem moralischen Verfall Tür und Tor in Teilen der Wirtschaft geöffnet.“

Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht referierte auf der Veranstaltung BankLive über Moral und ihre Entstehung.
Foto: Menge

Um den moralischen Verfall in der Wirtschaft einzuschränken, schlägt Precht die Neuausrichtung finanzieller Anreizen vor: „Derzeit gibt es Boni für Verantwortliche nach Quartalszahlen und nicht nach der Unternehmensentwicklung in den kommenden Jahren. Aber Selbstständige denken in Zeiträumen von teilweise mehr als zehn Jahren. Ein Bonussystem in Konzernen sollte deshalb die Auszahlung erst nach fünf Jahren vorsehen. Zusätzlich sollte es auch noch ein Malussystem geben.“ Um Mali zu rechtfertigen, blickte Precht auf einen deutschen Manager: „Thomas Middelhoff, der Arcandor heruntergewirtschaftet hat, verfügt über ein Privatvermögen im dreistelligen Millionenbereich. Das dürfte eigentlich nicht sein. Wer so einen Schaden, inklusive einer so großen Anzahl an Entlassungen, verursacht, der muss auch in die Haftung genommen werden. Wäre Middelhof haftbar gewesen für sein Handeln, hätte er nicht so agiert.“

Die Wahl, Precht als Referent von BankLive einzuladen, erklärte Dr. Wolfgang Baecker, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank: „Im vergangenen Jahr hatten wir mit dem Wirtschaftsexperten Hans-Werner Sinn als Gast von BankLive im wahrsten Sinn des Wortes ein Sinn-Gespräch über die Eurokrise. In diesem Jahr wollten wir mal anders in die Diskussion eintauchen und über Werte sowie Moral in Wirtschaft und Gesellschaft reden.“ Damit Precht während der Veranstaltung nicht als alleiniger Referent vor den über 600 Gästen im Coesfelder Konzertsaal sprach, hat die VR-Bank wie in den Vorjahren die ZDF-Journalistin Juliane Hielscher als Moderatorin und Dialogpartnerin des Referenten ausgewählt. „Bereits seit fünf Jahren veranstalten wir mit diesem Konzept BankLive und haben eine hochwertige Diskussionsplattform in unserer Region geschaffen“, ist sich Baecker sicher.

Von Jan Menge Donnerstag, 1. März 2012
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