June 16, 2019

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„Im Münsterland gibt es andere Bedingungen“

Münster – Die Pläne des Energiekonzerns ExxonMobil in Nordwalde, Drensteinfurt und Borkenwirthe Gas aus unkonventionellen Lagerstätten mithilfe des Frackings zu fördern, stoßen weiterhin auf Widerstand in der Bevölkerung. Und selbst die NRW-Landesregierung hält sich mit der Genehmigung für das Fracking bis zur Fertigstellung eines Gutachtens zurück. Grund genug für den Konzern, einen sogenannten Informations- und Dialogprozess zu starten.

Der Leiter des Expertenkreises: Professor Dr. Dieter Borchardt.
Foto: Menge

Doch die Kritiker, darunter die Mehrheit der zehn lokalen NRW-Interessengemeinschaften (IG) gegen Gasbohren, zweifeln so stark an der Unabhängigkeit des Informationsprozesses, dass sie sich dem von ExxonMobil angestoßenen Dialog verschließen. Da hilft es auch nicht, dass der Energiemulti den öffentlichen Dialog nicht selbst veranstaltet. Der Konzern hat vielmehr zwei Kommunikationsdienstleister, zum einen die PR-Agentur Hammerbacher aus Osnabrück, zum anderen Team Ewen, eine Agentur für Konflikt- und Prozessmanagement aus Darmstadt, beauftragt, den Prozess zu übernehmen. Die Agenturen wiederum haben Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche für eine Arbeitsgruppe ausgewählt, die nun bis März 2012 ein eigenes Gutachten zum Fracking erstellen sollen. Doch genau an dieser Stelle liegt aus Sicht der Bohrgegner die Krux. „In dem angeblichen Dialog geht es nur um die Legitimierung des Frackings. Deswegen auch der Name ‚Prozess über die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie’. Die ausgewählten Wissenschaftler stellen nicht  infrage, ob die Fördertechnik überhaupt sinnvoll ist. Besonders aus diesem Grund beteiligen wir uns nicht an dem Prozess“, betonte Mathias Elshoff, Vorsitzender der Interessengemeinschaft gegen Gasbohren Nordwalde. Zudem gab er zu Bedenken, dass ExxonMobil bis zu eine Million Euro für den gesamten Prozess sowie Informationen über das Fracking zur Verfügung stellt. Honorar und Teile der Fracking-Informationen für die Wissenschaftler kommen also vom Energieriesen.

Weitere Mitglieder des Expertenkreises (von links): Dr. Mechthild Schmitt-Jansen (Mitarbeiterin Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung), Dr. Alexander Roßnagel (Professor für öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Technik und Umweltschutz), Dr. Hans-Joachim Uth (Sachverständiger für Prozesse in der chemischen Industrie), Dr. Martin Sauter (Professor für angewandte Geologie).
Foto: Menge

Professor sieht keine Alternative

Einer der Honorarempfänger ist Professor Dr. Dietrich Borchardt. Der Biologe ist Abteilungsleiter des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig und leitet den ausgewählten Expertenkreis. Er sieht sich und die anderen beteiligten Wissenschaftler trotz all der Bedenken als unabhängig – „Wie es sich für anständige Wissenschaftler gehört“, betonte er während einer öffentlichen Konferenz des Informationsprozesses in Münster. Zudem schätzt Borchardt die gesamte Diskussion um das Fracking als zu emotional ein. „In der geführten Debatte vergleichen die Kritiker, insbesondere die Interessengemeinschaften, Verhältnisse in den USA mit denen in Deutschland. Aber das funktioniert so nicht. Im Münsterland gibt es andere Bedingungen als in den USA“, so Borchardt. Dass der Expertenkreis und der dazugehörige Dialogprozess Akzeptanzprobleme hat, ist für den Professor kein Gegenargument für sein Engagement: „Ich frage mich, was denn die Alternative zu dem nun angestoßenen Prozess ist. Jede Form der Energiegewinnung hat ihre Risiken. Aus diesem Grund muss die Gesellschaft anhand von Fakten eine Entscheidung fällen. Und die Fakten kann nur die Wissenschaft liefern.“ Auf das noch ausstehende NRW-Gutachten angesprochen, gab sich Borchardt selbstbewusst: „Da wir früher gestartet sind als die Gutachter des Landes, bringen wir das Wissen über Fracking in der Region schneller voran. Das bedeutet also, die Gutachter müssen unsere Erkenntnisse berücksichtigen.“ Dass sieht das NRW-Umweltministerium als Vergabebehörde des Gutachtens anders. Stephan Malessa, Pressereferent des Umweltressorts, erklärte dazu: „Unser Gutachten ist unabhängig von äußeren Einflüssen, also auch von Exxons Infodialog.“ Welche Ergebnisse das NRW-Gutachten und der Exxon-Expertenkreis bringen werden, ist noch offen. Klar ist, dass der Expertenkreis bereits im Oktober in Nordrhein-Westfalen testweise fracken lassen will. Dazu Borchardt: „Ich sehe das als Option für uns an. Die Entscheidung zu diesem Probefrack kommt von uns, nicht von ExxonMobil.“ Zum Ort eines möglichen Probefracks machte der Wissenschaftler allerdings keine Angaben. Ob es aber wirklich zum Probefrack kommen wird, ist offen. Schließlich hat die NRW-Landesregierung einen Genehmigungsstopp für das Fracking im Bundesland verhängt, bis die Ergebnisse des eigenen Gutachtens vorliegen. Warum der Expertenkreis zur Probe fracken will, erklärte Borchardt: „Wir wollen wissen, ob und wie sich eingesetzte Chemikalien unter Druck im Flözgas unterhalb des Münsterlandes verändern.“ Vor allem weil die Chemikalien immer wieder in den Fokus der Fracking-Diskussion geraten. Schließlich argumentieren auf der einen Seite Kritiker, dass die zugesetzten Stoffe eine Gefahr für das Grundwasser seien. Auf der anderen Seite betont ExxonMobil weiterhin, dass Fracking sicher sei und es keine Gefährdung des Grundwassers zu erwarten sei.

Die Pressesprecher von ExxonMobil, Hans-Hermann Nack (rechts) und Norbert Stahlhut (zweiter von rechts) während der öffentlichen Tagung des Informationsprozesses.
Foto: Menge

Chemieanteil zwischen zwei und 15 Prozent

Aus diesem Grund stellte der Energiemulti während der öffentlichen Fachkonferenz des Infodialogs in Münster Frack-Flüssigkeiten aus, die in verschiedenen Bohrungen in Niedersachsen zum Einsatz kommen. Dieter Sieber, Ingenieur beim Energieunternehmen, erklärte gegenüber Wirtschaft aktuell zu den Frackflüssigkeiten: „Je nach Beschaffenheit der gastragenden Schicht setzen wir das sogenannte lineare oder crosslinked Gel ein. Das lineare Gel enthält weniger Chemikalien und ist weniger Zähflüssig als das crosslinked Gel.“ Wie unterschiedlich die beiden Flüssigkeiten, genannt Gels, sind, macht ein Seh- und Geruchstest deutlich. Während das crosslinked Geld trüb ist und nach Putzmittel riecht, ist das lineare Gel klar und riecht leicht nach Diesel. Ein weiterer Unterschied ist aber nicht auf den ersten Blick erkennbar. „Das crosslinked Gel ist relativ teuer, da es eben mehr Chemikalien als das lineare Gel enthält. Deshalb“, betont Sieber, „neigen wir eher dazu, mit dem günstigeren linearen Gel zu fracken.“ Wie viele Chemikalien aber in dem crosslinked Gel sein können, zeigten einige Informationstafeln, die ExxonMobil während des Informationsprozesses veröffentlichte. So schwankte der Chemieanteil der in Niedersachsen eingesetzten Frackflüssigkeit zwischen zwei und 15 Prozent. Dazu erklärte Sieber: „Die Beschaffenheit des Gesteins ist maßgeblich für den Chemieanteil.“ Ob überhaupt Frackflüssigkeiten in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden, bleibt weiterhin offen. Entscheidend wird nach Aussagen der NRW-Landesregierung das eigene Gutachten. Das wird aber nicht vor vor Ende 2011 erwartet.
 

 

Lesen Sie weitere Informationen zur Erdgassuche in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in dem ausführlichen Dossier von Wirtschaft aktuell.

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Von Jan Menge Dienstag, 14. Juni 2011
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