Tue Nov 21 20:32:28 CET 2017

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„Die Finanzwirtschaft bremst den Aufwärtstrend“

Koblenz/Düsseldorf/Münster - Gerade jetzt, wo die Konjunktur wieder anspringt, bekommen viele Unternehmen Finanzierungsprobleme. Professor Dr. W. Edelfried Schneider, Managing Partner der HLB Dr. Dienst und Partner GmbH & Co. KG aus Koblenz, und Ernst Kreymborg, Geschäftsführer der HLB Dr. Schumacher und Partner GmbH aus Düsseldorf, verraten im Wirtschaft-aktull-Interview Lösungen für die Finanzierungsprobleme. Beide sind auch Geschäftsführer der HLB Deutschland GmbH, einem bundesweitem Netzwerk unabhängiger mittelständischer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften, zu dem auch die Sozietät HLB Dr. Schumacher & Partner aus Münster gehört.

Wirtschaft aktuell: Geht es aus Ihrer Sicht wirtschaftlich schon wieder aufwärts oder wird die Krise den Mittelstand in diesem Jahr erst richtig treffen?
Edelfried Schneider: Diese Frage lässt sich nur differenziert beantworten, denn die Branchen sind unterschiedlich hart getroffen worden und reagieren dementsprechend anders. Zum Beispiel lässt sich im Maschinenbau mittlerweile durchaus eine gewisse Aufwärtstendenz erkennen. Insgesamt musste die Branche zwar zurückstecken, ist aber trotzdem recht gut durch die Krise gekommen – und auch für den Metallhandel geht es wieder bergauf. Da war das Jahr 2008 schwieriger als 2009. Auch im Bereich von Transport und Logistik gibt es positive Tendenzen – das zunehmende Transportvolumen ist immer ein guter Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung.
Ernst Kreymborg: Mehr Sorgen machen aktuell der Immobiliensektor und das Finanzgewerbe.
Schneider: Ja, die Krise betraf und betrifft am stärksten den Finanzsektor und das hatte und hat Auswirkungen auch auf den Dienstleistungs- und den Immobiliensektor weltweit. Das ist insgesamt noch nicht ausgestanden und es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis auch der Mittelstand insoweit wieder aufatmen kann.
Kreymborg: Nicht zu vergessen ist auch die Automobilindustrie mit ihren vielen tausend Zulieferern. Auf diese Branche kommt demnächst neben der aktuellen Krise noch einiges an Veränderungen zu, etwa durch die Diskussion über umweltfreundlichere Autos oder die Elektromobilität. Da müssen sich noch die traditionellen Businessmodelle ändern. Insgesamt bin ich aber, was den Mittelstand angeht, eher optimistisch. Denn – das ist ein typisch deutsches Phänomen – Mittelständler achten auf ihre Flexibilität und Unabhängigkeit im Hinblick auf die Finanzierungsinstitute. Für sie ist ein solider Bestand an Eigenkapital etwas sehr Wichtiges. Ich bin mir sicher, dass sich der Mittelstand, über die ganze Breite betrachtet, bereits gut erholt hat und weiter erholen wird.

WA: Gibt es tatsächlichlich eine Kreditklemme für die kleineren und mittleren Unternehmen?
Kreymborg: Die Finanzwirtschaft stockt derzeit noch immer durch ihre eigenen Schwierigkeiten und bremst damit auch den Aufwärtstrend, den die Industrie mit vernünftiger Begleitung durch die Kreditinstitute durchaus schaffen könnte.

WA: Wo sehen Sie die Ursache dafür?
Kreymborg: Die Banken müssen die Bilanzsummen herunterfahren. Aber es gibt eigentlichen keinen Grund dafür, dass der mittelständische Bankensektor die Probleme der Großbanken auf die eigene Kreditpolitk überträgt und seine Kreditkosten ebenfalls verteuert. Das macht vielen Mittelständlern Probleme. Wenn Mitbewerber schon wieder aufbrechen und etwa in Asien neue Märkte erschließen und die eigene Firma bekommt keine vernünftige Finanzierung der Hausbank für die Expansion, dann hat das erhebliche Nachteile im Wettbewerb.

WA: Was müsste geschehen, um die Situation zu ändern?
Schneider: Wir brauchen ganz klar eine flankierende Politik, die das Eigenkapital stärkt. Das ist ja teilweise auch schon eingeleitet, etwa die Thesaurierungsbesteuerung bei Personengesellschaften. Ich bin aber überzeugt, dass wir mehr und vor allem einfach handhabbare steuerliche Anreizsysteme brauchen, die eine Thesaurierung fördern.

WA: Können Sie das bitte näher erläutern?
Schneider: Die im Rahmen der Unternehmensteuerreform eingeführte Thesaurierungsrücklage kann grundsätzich einen positiven Beitrag zur Stärkung der Selbstfinanzierung mittelständischer Personengesellschafen leisten. Dieses neue Instrument ermöglicht es den Gesellschaften, im Unternehmen thesaurierte Gewinne – wie Kapitalgesellschaften – mit 28,25 Prozent zu versteuern. Erst bei Auflösung der Rücklage erfolgt eine Nachversteuerung analog zur Dividende mit 25 Prozent. Diese an sich richtige Regelung findet in der Praxis allerdings nur sehr eingeschränkt Anwendung, da sie sehr kompliziert ausgestaltet ist. Zudem hat sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine sehr nachteilige, die Liquidität belastende Wirkung: Bei Entnahmen muss momentan selbst dann zunächst die Thesaurierungsrücklage – mit Nachversteuerung – aufgelöst werden, wenn im Unternehmen noch bereits nach früherem Recht voll versteuertes Kapital vorhanden ist. Bei dessen Entnahme wäre hingegen keine Nachversteuerung gegeben. Deshalb plädiere ich dafür, die Gewinnverwendungsreihenfolge so zu ändern, dass bei Entnahmen zunächst auf bereits voll versteuertes Kapital zurückgegriffen wird und eine Nachversteuerung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten damit vermieden werden kann. Hilfsweise sollte zumindest ein Jahresbetrag von 100.000 Euro im Kalenderjahr im Rahmen der Verwendungsreihenfolge frei disponierbar sein. Ferner sollte die Möglichkeit der Rücknahme des Antrags auf Thesaurierungsbesteuerung auf drei Jahre ausgeweitet werden.
Kreymborg: Bei der Stärkung des Mittelstands sind aber auch die staatlichen Förderbanken gefordert. Damit meine ich nicht die Landesbanken, die in der Vergangenheit eben nicht den Mittelstand gefördert haben. Sondern ich spreche Institute wie die NRW Bank, die LfA Bayern, die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz oder die KFW an, die jeweils über einen nennenswerten Kapitalstock verfügen. Diese Institute haben gute Refinanzierungsmöglichkeiten und können für den Mittelstand zinsvergünstigte oder geförderte Kredite vergeben.

WA: Und was kann der Mittelstand selbst tun?
Kreymborg: Sicher überlegen viele Unternehmen schon längst, ob sie ihre Betriebe verschlanken. Nicht nur vor dem Hintergrund der Internationalisierung und Globalisierung wird überall geprüft, ob Fertigungseinheiten an den einzelnen Standorten bestehen bleiben. Mittelständler werden auch weiterhin kritisch prüfen, ob sie mit vernünftigen Kostenstrukturen im Ausland besser fahren als in Deutschland. Aber das ist es nicht alleine…
Schneider: … nein, dazu kommt ja noch, dass die Firmen viel näher an ihre Absatzmärkte heranrücken und dabei nicht nur an Absatzchancen gewinnen, sondern auch die Fertigungs- und Kostenstruktur verbessern. Eine Tendenz, davon sind wir überzeugt, die noch weiter zunehmen wird. Zumal der deutsche Mittelstand das schon viel früher begriffen hat als Unternehmen in anderen Ländern.

WA: Nochmals zurück zur Eigenkapitaldecke vieler Firmen, die oft zu dünn?
Schneider: Ja, definitiv haben deutsche Gesellschaften eine zu niedrige Eigenkapitalquote, deshalb brauchen wir auch mehr Anreizsysteme zum Thesaurieren und insbesondere höhere Gewinne. Das wichtigste Instrument mittelständischer Unternehmen zur Stärkung des Eigenkapitals ist unverändert das Bilden von Gewinnrücklagen auf der Grundlage auskömmlicher Gewinne. Wer die Eigenkapitaldecke des Mittelstands in seiner ganzen Breite stärken will, muss letztlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Unternehmen bei eigener Leistungsfähigkeit auch ausreichende Gewinne erwirtschaften können. Die Fähigkeit, Rücklagen zu bilden, hängt ganz entscheidend von der Entwicklung der Absatzmärkte, der Entwicklung der Kosten und der Höhe der Steuerlast ab. Derzeit sehen wir aber zum Beispiel beim Handel und in der Nahrungsmittelindustrie ein Absacken der Renditen – das ist keine gesunde Entwicklung. Profit ist nichts, was verteufelt werden sollte. Denn was wir wirklich brauchen, ist eine andere Gewinnsituation. Und das nicht nur in den Top-Branchen, sondern im Unternehmensdurchschnitt. So lange aber jeder meint, er müsse den Anderen unterbieten, geht das nicht. Gewinn zu machen, das geht nicht über Preisdrücken, sondern nur über eine Differenzierung, etwa in der Qualität. Der Kunde muss zu der Überzeugung kommen, dass die Unternehmensleistung einen Wert hat, so dass er dafür einen vernünftigen Preis bezahlt. Leider hat sich diese Überzeugung hierzulande noch nicht so richtig durchgesetzt.
Kreymborg: Die zweite Komponente ist das Steuerrecht. Wir haben in Deutschland bei der Unternehmensbesteuerung keine Top-Position im internationalen Vergleich und bewegen uns eher im Mittelfeld. Da ist noch Raum – und warum schonen wir nicht stärker die unternehmerischen Aktivitäten?

WA: Was sollte die Politik konkret ändern?
Kreymborg: Wir haben viele Vorschriften und Regelungen in unserem Steuerrecht, die eigentlich auf die schwarzen Schafe abzielen, aber die große Mehrheit treffen. Eine Vereinfachung, mehr Transparenz und Klarheit würde allen zugute kommen. Überregulierung ist der Punkt, den wir vor allem beklagen. Viel zu viele Verordnungen und viel zu viele Änderungen in zu kurzer Zeit führen zu massiven Verunsicherungen und das ist nicht gut für eine Volkswirtschaft. Aus Sicht der mittelständischen Wirtschaft bedarf es insgesamt und vorrangig einer Entrümpelung der ausufernden administrativen Regelungen zur Umsatzbesteuerung. Insbesondere Nachweispflichten müssen auf ein vertretbares Maß zurückgeführt, der Vertrauensschutz vor allem bei innergemeinschaftlichen Lieferungen – zum Beispiel bei der Prüfung von Umsatzsteuer-Identifikationsnummern – wirksam gestärkt und die Anwendung von praxisnahen und anwenderfreundlichen elektronischen Abrechnungsmöglichkeiten zugelassen werden.

WA: Ist mehr außerbörsliches Eigenkapital eine Lösung für die Eigenkapitalprobleme?
Schneider: Wir brauchen sicher Wagniskapital oder neudeutsch: Private Equity. Ich glaube aber nicht, dass diese Finanzierungsform ein genereller Ausweg zur Lösung der Probleme in diesem Bereich ist. Die Banken haben die klassische Funktion der Fristen- und Risikotransformation, das kann Private Equity nicht leisten. Zudem ist unsere Aktienkultur eher schwach, dort wäre insgesamt mehr Mut zu wünschen. Viele Familienunternehmen sind ja bereits an der Börse gelistet und kommen damit auch gut klar. Ganz klar abzulehnen ist aber eine „Heuschreckenmentalität“ von Firmen, die nur bei anderen investieren, um sie anschließend ausbluten zu lassen. Das kommt jemand im Mäntelchen des Helfenden daher und und will nur schnellstens den Zeitpunkt finden, um sich mit Profit wieder von der Beteiligung zu trennen. Das hat einen mangelnden Nachhaltigkeitseffekt und ist nur sehr bedingt erfolgreich.
Kreymborg: Die Private Equity-Branche befindet sich derzeit im Umbruch – hin zu moderateren Renditeerwartungen, längerfristigen Engagements und Minderheitsbeteiligungen. Die langfristige, nachhaltige Ausrichtung dieses Marktsegments sollte gefördert werden. Die Vorteile solcher Beteiligungsformen können nicht nur in der damit ermöglichten Finanzierung liegen, sondern auch im Transfer von Know-how, in der Unterstützung beim Unternehmensmanagement und in der Einbindung in unternehmensrelevante Netzwerke sowie in der Optimierung der Kapitalstruktur.

Dienstag, 7. September 2010
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