
„Es war bis jetzt eine sehr erfolgreiche Zeit“, blickt Kethorn auf die vergangenen vier Jahre zurück. „Ich habe das alles nicht allein geschafft“, betont er und verweist auf eine hervorragende Arbeit in einer engagierten, kompetenten und motivierten Verwaltung, die vertrauensvoll mit der Politik zusammenarbeitet. Ebenso gut und wichtig sei die Zusammenarbeit mit Kommunen, Bürgern, Unternehmen und Einrichtungen. „Die Grafschafter können stolz auf das Erreichte sein“, das erwähnte Kethorn allzu gern. Stolz war der Landrat auch darauf, dass aus den finanziellen Defiziten, die es zu Beginn seiner Amtszeit gegeben hat, mittlerweile Überschüsse geworden sind. Zehn Millionen Euro hat der Landkreis derzeit auf der hohen Kante. „Wir haben uns auf das Machbare konzentriert, sonst hätten wir das nicht geschafft“, verrät Kethorn und schmiedet für die Überschüsse schon fleißig Pläne. Denn das Geld soll natürlich in die Grafschaft zurückfließen. In der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt sieht der Landrat gute Voraussetzungen. „Wir müssen nur das Richtige tun“, weiß er. Auf seiner Agenda stehen viele Punkte. Ein ganz wichtiger ist die Tourismus-Region Grafschaft. Eines der Ziele Kethorns: Der „Fahrradfreundlichste Landkreis“ und die „Fahrradfreundliche Kommune Emlichheim“ sollen noch intensiver als solche beworben werden. „Wir überlegen, eine Art Kompetenzzentrum Radverkehr aufzubauen“, informiert der Landrat. Ein ganz besonderes Anliegen ist ihm auch der Aufbau des vor zwei Wochen eingeweihten evangelischen Gymnasiums in Nordhorn. „Es wird eine Bereicherung sein“, ist Kethorn überzeugt. „Bildung ist sicherlich der Schlüssel zum Erfolg und Kinder haben den Anspruch auf eine gute Schule.“ Als Herausforderung für die Wirtschaft sieht Kethorn die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren in 2011. Er erwartet einen Ausbildungsengpass. Das Problem möchte der Landrat frühzeitig angehen. „Es kommt auf uns zu und wir müssen uns damit auseinandersetzen“, fordert er. Die Fusion der Grafschafter Klinik und des Marienkrankenhauses zur Euregio-Klinik sieht Kethorn sehr positiv: „Wir haben eine der wesentlichen Voraussetzungen für die nächsten 30 bis 40 Jahre geschaffen!“ Mit der Fusion sei es aber noch nicht getan. „Wir gehen davon aus, dass wir weitere Kooperationen eingehen müssen“, erklärt der Landrat. Für die zweite Hälfte seiner Amtszeit möchte der gebürtige Grafschafter den Dialog mit Bürgern, Verbänden und Einrichtungen intensivieren. Die Aktion „Landrat vor Ort“ will er daher 2008 wiederholen – „um zu hören, was los ist und um die angebliche Kluft zwischen Politik und Bürgern zu überbrücken“. Nicht nur für die kommenden vier Jahre, bis zum Ende seiner Amtszeit. Kethorn plant auch darüber hinaus. Man müsse nicht nur an das Wohl der eigenen Generation denken, sondern auch derjenigen, die noch kommen. Deshalb betont er mit großer Freude: „Wenn man ein echter Grafschafter ist, hat man Interesse daran, die Grafschaft mit zu gestalten. Und auch wenn ich 57 bin – ich habe Lust auf Zukunft!“
Info: Landrat Friedrich Kethorns Ziele für die zweite Hälfte seiner Amtszeit.
Wirtschaft/Arbeitsmarkt:
- Nutzung der kreiseigenen Wirtschaftförderungsinstrumente (KMU, GGB, GBT, Europark Coevorden-Emlichheim)
- Auswertung und Umsetzung der Unternehmensbefragung
- Gewerbeflächenentwicklungskonzept
- Maßnahmen über das LEADER-Projekt 2007-2013 (2 Millionen Euro)
- Zusammenarbeit in der Wachstumsregion Ems-Achse: Gewinnung von Azubis und Fachkräften, Profilbildung, Wissenstransfer und Ausnutzung von Netzwerkeffekten
- Verkehrsinfrastrukturprojekte: Trimodaler Umschlagplatz Euroterminal II, Lückenschluss Mittellandkanal/Twentekanal, Ausbau West-Ost-Verbindung
- Breitbandförderung
- Tourismusregion Grafschaft: Ferienpark Gut Langen, Ferienpark Itterbeck, Kanalvision, intensivere Werbekampagne „Fahrradfreundlichster Landkreis“ – „Fahrradfreundliche Kommune Emlichheim“
- Qualifizierung älterer Personen: 50plus an Ems und Vechte – Zukunft braucht Erfahrung
Bildung, Schule, Familie:
- Aufbau des evangelischen Gymnasiums
- Investitionskonzept für kreiseigene Schulen
- Patenschaften Schule/Wirtschaft
- Zusammenarbeit mit Hochschulen – Standort in der Grafschaft
- Abschaffung BGJ in 2009
- Abitur nach zwölf Jahren – ab 2011 (Ausbildungsengpass?)
- Senkung der Quote ohne Hauptschulabschluss
- Nächste Stufe der Zertifizierung auditberufundfamilie in 2009
- Umsetzung TAG / Aufbau eines nachfrageorientierten Krippenplatzangebotes
- Familienbegleitbuch ab 2009
- Weitere Stärkung der Familen-Service-Büros
Gesundheitswesen:
- Operative Umsetzung der fusionierten Krankenhäuser Grafschafter Klinik und Marienkrankenhaus zur Euregio-Klinik
- Weitere Kooperationen mit benachbarten Kliniken
- Sicherstellung des ländlichen Raumes mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern
Dialog mit Bürgern, Verbänden, Einrichtungen:
- Fortführung der Aktion „Landrat vor Ort“
- Fachdialog mit Wirtschaft, Handwerk, Sozialverbänden, Sport usw.